: Indien ist auf der Überholspur
Schon bald werden in Indien mehr Menschen und vor allem mehr junge Menschen leben als in China
Von Sven Hansen
Eine der großen Leidenschaften der politischen und akademischen Elite Indiens ist der permanente Vergleich mit China. Meist liegt die Volksrepublik deutlich vorn. Doch bei der Bevölkerungsgröße ist das bald vorbei, was viele in Indien mit Stolz erfüllt. Nach unterschiedlichen Prognosen wird Indien ab 2023, spätestens 2030 mehr Einwohner haben als China und damit das bevölkerungsreichste Land. Laut der UN-Behörde für Wirtschaft und Soziales zählt Indien derzeit 1,38 Milliarden Menschen, seine Bevölkerung wächst pro Jahr um 0,9 Prozent gegenüber 0,53 in China. Allespätestens ab 2030 wird das Schrumpfen der chinesischen Bevölkerung prognostiziert.
Zwar hat Chinas große wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten mehrere hundert Millionen Menschen aus der Armut geholt. Aber im Vergleich mit den Industrieländern ist Chinas Wohlstand noch bescheiden, vor allem fehlen den Menschen Rücklagen fürs das Alter. Mit anderen Worten: Sie werden in China jetzt alt, bevor sie wirklich reich sind.
Auch hier frohlockt Indien. Denn dort ist die Bevölkerung viel jünger: Das indische Durchschnittsalter beträgt nur 26,4 Jahre und ist damit mehr als zehn Jahre niedriger als in China. Damit hat Indien mehr produktives Potenzial, womit seine Chancen zumindest in der Theorie größer als in China sind, dass das Land „reich“ und dann erst „alt“ wird. Bei der Urbanisierung, die in Indien erst 34 Prozent beträgt, ist China weit voraus. Anders gesagt, hat Indien hier ein großes Arbeitskräftenreservoir für Industrie und Dienstleistungen, wenn die Landwirtschaft reformiert und damit effizienter wird. Doch seit Monaten wehren sich indische Bauern gegen wirtschaftsliberale Reformen.
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