Nils Schuhmacher Hamburger Soundtrack: Immer noch böse
Mike Patton fast überall. Der Mann hatte nicht nur seine Finger bei Faith No More, Mr. Bungle und Fantômas im Spiel, sondern auch in etlichen weiteren Projekten. Aktuell überrascht er mit der „Promiband“ Dead Cross (27. 6., Markthalle), in der sein notorisch zum Hymnenhaften tendierender Gesang in einen rohen, irgendwie doch melodischen und stark politisierten 80er-Jahre-Hardcore-Sound gekleidet wird. Mit dabei: seine Labelkollegen von Dälek, deren experimenteller Hip-Hop-Entwurf rein stilistisch nicht passen mag, denen aber zuletzt attestiert wurde: „Dälek sind immer noch böse“ (laut.de). Genau wie eben Dead Cross, deren Gründung laut Schlagzeuger Dave Lombardo auf allgemeine Weltbeobachtung zurückging, die zum Entschluss führte, dass man etwas machen müsse, „das böse und brutal klingt“.
Weil aber auch Patton eine andere Seite hat, bleibt auf seinem Label noch Platz für anderes. Zum Beispiel für die Messer Chups (4. 7., Hafenklang). Sie stammen zwar aus Russland, einem Land, das einst zum „Reich des Bösen“ (Reagan) gehörte, klingen aber dann doch mehr wie eine wundersame, Easy Listening antäuschende Mixtur aus Surf, Punk und Gruselsound. Patton-frei hingegen das Schweizer Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp (29. 6., Centro Sociale). Dieses Schwergewicht aus Afro, Folk, Avantgarde, Jazz, Weltmusik und „Frankopop“ ist ein Indie-Diamant: unter dem Radar, aber bekannt, nicht böse, aber subversiv, nicht „straight“, aber durchgehend explosiv.
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