: Im Dolgenbrodt-Prozeß packte der Angeklagte aus
Sechs Verhandlungstage lang schwieg der Angeklagte, dem zur Last gelegt wird, am 1. November 1992 das noch unbewohnte Asylbewerberheim in Dolgenbrodt angezündet zu haben. Am Freitag schließlich packte der 19jährige Rechtsradikale Silvio J. vor dem Landgericht Potsdam aus: Nach wie vor bestreitet der Königs Wusterhausener die Tat, doch er konkretisierte seine Vorwürfe, Bürger des Dorfes hätten die Brandstifter entlohnt. Einen Verdacht, den die taz aufgrund der Aussage eines Informanten bereits im August 1993 formulierte.
Silvio J. nannte Namen: 2.000 Mark habe der Blumenhändler Thomas Oste gezahlt, 1.000 Mark der Wirt vom Gasthaus „Kober“. Auch der Elektriker Gerd Graefen und der Fischer Schulz, auf dessen Gelände die Reichsseekriegsflagge wehte, seien an den Zahlungen beteiligt gewesen.
Sein Wissen habe er aus den Erzählungen des Dolgenbrodter Dorfskinheads Marko Schmidt und des Königs Wusterhausener Rechtsradikalen Renato Paschke. Diese beiden hätten gemeinsam mit dem Rechtsradikalen Erik Otto die Tat begangen. Ursprünglich sei geplant gewesen, daß auch er, J., mit von der Partie sei. Alle drei von J. Beschuldigten haben über ihre Freundinnen Alibis vorzuweisen.
J. schilderte die Stimmung nach der Bürgerversammlung am 23. Oktober 1992: Nachdem der Großteil der Bürger gegangen war, sei am Stammtisch laut darüber diskutiert worden, Brandstifter anzuheuern. Daraufhin hätten die Täter beschlossen, das Geld zu verdienen: „Mensch, da gibt es Geld für.“
„Im Dorf wußte jeder davon“, behauptet der Angeklagte Silvio J. Die Dorfbewohner bestreiten die Zahlung und das Wissen darüber vehement. Doch die Mauer des Schweigens bröckelt. Michaela Schießl
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