: Identität: Dringend gesucht!
■ Medienzentrum Walle kann endlich Eröffnung feiern / Sechs Betreibergruppen wollen sich „zusammenraufen“
Heute abend eröffnet endlich das neue Medienzentrum Walle, blau-weinrot und mit einer 1,4 Millionen teuren technischen Infrastruktur, die der Kultursenat schon 1989 bewilligt hatte. Der Geschäftsführer des Trägervereins, Michael Beutler, ist glücklich, wie es scheint: „Das Medienzentrum ist eine große Chance für Bremens Filmlandschaft und uns Betreibergruppen. Wir müssen, wir werden uns zusammenraufen und die Chance nutzen.“
Beutlers beschwörender Unterton hat seine guten Gründe. Bei aller freudig-stolzen Feststimmung nämlich — immer wieder hatte die Frankfurter Investorengruppe den Ausbau des Gebäudes in der Waller Heerstraße verzögert — dürfen die BremerInnen und speziell die Waller Klientel gespannt sein, ob die Existenz des Medienzentrums ihr kulturelles Leben wirklich verändern wird.
Zwar enthält das MZ Fotolabor, Videostudio, Schneideplätze und Musikstudio, so daß die Videogruppen „Wie-Deo“ und „Null Satt“ feste Arbeitsplätze haben und die VHS anspruchsvolle Fotokurse anbieten kann. Zwar gibt es ein Radio- Produktionsstudio des geplanten BürgerInnen-„Stadtstudios“. Möglichkeiten für Veranstaltungen sind bestens gegeben. Das Filmbüro samt Filmwerkstatt und „Blue Box“ hat einen Platz in Walle gefunden.
Wird aber das Kommunale Kino — einst zuhause im Viertel- Cinema - den Umzug nach Walle überleben? Und: Werden die sechs Betreibergruppen ein „Zusammenraufen“, ein gemeinsames, identitätsstiftendes Konzept zustandebringen?
Das Kommunale Kino hat, zurecht, Angst um seine Identität. Der neue Kinosaal ist allerdings vielversprechend: 168 bequemste Sessel, eine große Leinwand mit Stereo-Dolby-Surround-Ton und einer exzellenten Videogroßprojektion — was kann man mehr wünschen, wenn man immer nur Gast im fremden Hause war? Nun vermissen aber die WallerInnen seit 30 Jahren ein ganz normales Programmkino. Das Ko-Ki aber hat immer eine spezielle Viertel-Klientel mit Filmmuseum und thematischen Reihen bedient. „Lieber gehen wir unter, als daß wir unser Selbstverständnis eines filmgeschichtlichen kommunalen Kinos aufgeben“ sagt Christine Rüffert vom Ko-Ki entschieden. Ein Kinder- und Jugendkino wird es geben und vier Tage in der Woche ein eigenes Programm. Was an den anderen Tagen, ist noch nicht entschieden.
„Wir werden hier keine rechtsradikalen Gruppen reinlassen und keine Pornos“, so Geschäftsführer Beutler über einen Minimal-Konsens der Betreibergruppen. Wie und mit wem das Medienzentrum Geld hereinwirtschaften wird, wem Bühne, Schneideräume, Produktionsstätten zu welchen Konzessionen angeboten werden, das ist noch ein „Eiertanz“.
Ca. 200.000 Mark müssen jährlich reingewirtschaftet werden. „Wir wollen keine oberflächliche Kooperation. Das jeweilige Eigeninteresse muß auch mal zurückstehen“, sagt Beutler. Was genau damit gemeint ist, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. Cornelia Kurth
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