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berliner szenenIch bin doch nicht Dumbo

Eigentlich ging ich zum Elektrofachgeschäft, um mir Noise-Cancelling-Kopfhörer zu kaufen, weil ich vom Tastengehaue meines Freundes genervt war, der im Nebenzimmer arbeitet. Vielleicht ist es auch gar nicht das Geräusch selbst, das mich aufregt, sondern eher der Gedanke, dass er voll im Schreibflow ist, während ich auf ein digitales weißes Blatt Papier starre. Ja, vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der mich lähmt, der mich schreibblockiert, kam es mir plötzlich in den Sinn – und dann fiel mir die Geschichte eines Freundes ein, der kürzlich erzählt hat, dass er sich solche Noise-Cancelling-Kopfhörer gekauft hat, damit er das Geschrei seines Babys nicht mehr hören muss. Wenn solche Teile Neugeborene verstummen lassen, müssten sie doch auch bei Tastaturen wirken.

Ich ging also zum Elek­trofachgeschäft und lief fassungslos die lange Reihe der hochmodernen Kopfhörer auf und ab. Sie kosteten nicht nur gerne mal 200 Euro, sondern waren auch noch verdammt hässlich und riesengroß. Ich sah in ihnen aus wie Dumbo. „Gibt es diese Noise-Cancelling-Kopfhörer auch in günstig?“, fragte ich einen Verkäufer, der neben mir stand. „Je teurer, desto besser auch die Qualität“, antwortete er. Welche Funktionen ich denn bräuchte? „Eigentlich brauch ich die nur, damit ich meinen Freund nicht höre.“ Er schaute irritiert und ich lief noch mal die Reihe ab – und dann fand ich sie, ganz am Ende der Verkaufsfläche: formschöne Kopfhörer. Klein und sogar faltbar. Für nur 9,95 Euro! Ausstellungsstück. Ich hatte nicht gemerkt, dass der Verkäufer mir gefolgt war. Jetzt starrte er mich ungläubig an. „Das sind aber keine Noise-Cancelling-Kopfhörer“, meinte er. „Ich hab es mir anders überlegt“, antwortete ich. „Wenn ich mit diesen Kopfhörern Musik nur laut genug höre, höre ich ja auch meinen Freund nicht mehr.“

Eva Müller-Foell

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