Berliner Szenen: Hunde-Weihnachtsmarkt
Barfen Sie?
Die Sonne lacht, die Kälte klirrt – perfektes Weihnachtsmarktwetter. Aber nicht irgendwo, der „märchenhafte Weihnachtsmarkt am Jagdschloss Grunewald“ soll es sein. Nach Bus, Bahn und 20 Minuten Fußweg trägt mich eine Welle aus Mensch und Tier in Richtung Besinnlichkeit, spült mich auf erste geschmückte Stände zu.
„Hier ist der Weihnachtsmarkt für Hunde, der andere ist da hinten“, werde ich informiert. Ach so? Super! Als Erstes sehe ich einen Pudel, der gerade frisiert wird. „Ist das Ihr Angebot hier auf dem Markt?“, frage ich die Stylistin. „Nee, ich passe nur kurz auf ihn auf, die Besitzerin übt mit dem anderen Hund für seinen Auftritt später.“ Das gekämmte Tierchen zittert, neben ihm wird wärmende Hundekleidung verkauft. Müssen Tiere wirklich Pullover tragen? „Das ist eine Frage des Unterfells“, lerne ich. „Ist das Unterfell zu kurz, macht wärmende Wäsche Sinn. Nackthunde sollten eigentlich immer Kleidung tragen“, erklärt die Standbesitzerin. „Sie glauben aber nicht, wie viele schlecht gekleidete Hunde ich in der Stadt sehe!“ Doch. Ich puste den Bommel einer Pudelmütze an, um zu testen, ob es vielleicht echtes Hundefell aus China ist, zum Glück alles okay.
Zwei vierbeinige Besucher mit geringer Schulterhöhe giften sich an und fletschen die Zähne. An der „kalorienarmen gebratenen Rinderlunge“ am nächsten Stand wird es wohl nicht liegen. „Barfen Sie Ihren Hund?“, fragt mich ein netter Mann, der Frozen Joghurt für Hunde anbietet. Für das nächste Jahr ist geplant, das Angebot auf Herrchen/Frauchen auszuweiten. Endlich hat Kalle, der Pudel, seinen Auftritt. Er führt Kunststücke vor, spielt Fußball und erkennt sogar Falschgeld. Zum Schluss springt er tollkühn durch einen mit Papier überzogenen „brennenden“ Reifen. Glühwein gibt es dann auf dem Menschen-Weihnachtsmarkt.
Natalie Stöterau
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