piwik no script img

Hitler verachten

Der Fragebogen, den der Schriftsteller Marcel Proust in seinem Leben gleich zweimal ausfüllte, war in den Salons der Vergangenheit ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Und es wird weiter und weiter gespielt, mit heiteren und heiklen Fragen als Herausforderung an Witz und Geist. Aber mit immer gleichen Antworten auf die eine Frage.

„Hitler? Ach der ...!“

„Pffff!“

„Pah – !“

„Igitt. Der Hitler!“

„Stalin – wenn ich den schon höre!“

„Hitler und Stalin – iiiih, nicht schon wieder!“

Sie kennen das?

Die Verachtung, die diesen beiden bedauernswerten Diktatoren entgegenschlägt. Aus dem FAZ- Magazin. Genauer: aus dem Fragebogen des Marcel Faz, den regelmäßig alle namhaften Menschen ausfüllen dürfen, wenn sie in der Lage sind, Diktatoren zu verachten. FAZ fragt: „Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?“ Na?

Und schon machen unsere namhaften Antworter aus ihrem starken Gefühl überhaupt kein Hehl: Hitler. Hitler und Stalin. Alle Despoten / Diktatoren / Tyrannen. Manchmal ist Pol Pot dabei, der ist weit weg. Aber immer Hitler. Hitler und Stalin. Stalin und Hitler. Beide sind zutiefst verächtlich. Und mausetot. Hitler? Pffff!

„Gnä' Frau, Herr Hitler ist draußen, unser Führer.“ „Der schon wieder?! Ich bin nicht zu Hause!“

„Hitler ist da.“

„Der Despot? Is' ja ätzend!“

Zu Lebzeiten ward er natürlich auch schon heftig verachtet: Etwa im Rhein-Ruhr-Klub der Industriellen: „Herr Direktor, Herr Hitler, der Nazi, ist draußen. Er sagt, er sei der Retter des Vaterlandes.“ – „Ach der! Geben Sie ihm zwei Millionen, und schmeißen Sie ihn raus!“

Oder: „Äh, mein Führer – ich kann gar nicht sagen, wie ich Sie verachte...“

„Finden Sie Diktatoren auch so verächtlich, meine Liebe?“

Fast schade, daß wir den da nicht mehr erleben: „Entschuldigen Sie die Störung; ich heiße Adolf, und ich bin ein Despot und werde von allen verachtet. Ich verkaufe hier die Despotenzeitung „Despotie heute“, und von dem Erlös werde ich eine Diktaturrrr errrrichten, und ich werrrde Autobahnen bauen und U-Boote bauen und in fanatischem Glauben an die Vorrrsehung...“

Aus!

Beim Jüngsten Gericht wird er mildernde Umstände erhalten. „Hitler, Adolf! Stehen Sie auf! Du lieber Gott, wie sehen Sie denn aus! Kein Wunder, wenn man so verachtet wird von den FAZ-Lesern...“ F.W. Bernstein

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen