: Historie, versteppt
■ „Riverdance“ klackert sich in der Stadthalle zum 3. Mal durch irische Geschichte: Auswandererelend ja, IRA nein
Kunstnebel ergießt sich über die Bühne. Im Hintergrund leuchtet Nachthimmel. Eine gewaltige Männerstimme donnert in zartes Flötenspiel: „Wir kamen aus dem Dunkeln, wir kamen aus der See.“ Das „Riverdance“ Ensemble gab sich am Dienstag in der Stadthalle große Mühe, das Bremer Publikum zum dritten Mal mit seiner Show in patriotisch-mystischem Kitsch ersaufen zu lassen.
In zig Paar Steppschuhen wurden Stationen der irischen Geschichte abgeklappert. Revueartig hüpfen da langhaarige Mädchen in Glitzerkleidchen mit schlanken Bauernjungs herum. Zwischendurch lässt ein Chor mit brennenden Kerzen alte, christliche Weisen erklingen. Sie singen und tanzen und lieben ihre grüne Heimat. Niedlich.
Regisseur John McColgan und Produzentin Moya Doherty war kein Klischee zuviel. Weil zwei Stunden ausschließlich irische Folklore jedoch das Publikum überfordern würden, brauchte es ein bisschen Abwechslung. Wie pfiffig, deshalb sämtliche Klackertänze der Welt abzumixen. Plötzlich müssen die korrekten Iren bei feurigen Flamencostepperinnen vor einem Flammenpanorama oder bei östlichen Schenkelschlägern antanzen und das Revier verteidigen.
Weniger pathetisch wirkt eine Auswandererszene. Drei vor Hunger und Elend aus der Heimat geflüchtete junge Flusstänzer treffen auf ihr amerikanisches Pendant: drei freche schwarze Tap-Dancer. Ein teilweise parodistisches Spiel um die Führung beginnt. Meisterhaft steppen sie in Soloeinlagen um die Wette. Am Schluss hat sich das Inselvolk mit der neuen Welt arrangiert und alle setzen das zuversichtliche Kelly-Family-Lächeln auf. Blutige Aufstände gegen das britische Empire oder die wenig romantische IRA werden weder vom unsichtbaren Erzähler erwähnt, noch fällt ein kleines Kriegertänzchen für sie ab. Sei's drum.
Mit „Riverdance – The Show“ erlebte der Irish Folk 1994 ein sensationelles Comeback. Als Pausenfüller beim Grand Prix D–Eurovision 1994 in Dublin begeisterte die Gruppe die Massen und klebt seither wie ein süßes Bonbon auf den Bühnen der Welt.
Maria Hufenreuter
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