Hilfe für Schulen: Schulen dauerhaft im Ausnahmezustand

Nach dem Hilferuf der Schulleiter aus Mitte zeigen sich Lehrer und Eltern aus anderen Bezirken solidarisch. Die Integrationsbeauftragte des Bundes lädt zum Gespräch ins Kanzleramt. GEW: Schulen brauchen 900 Millionen Euro.

Es sieht aus wie eine schnelle Wirkung auf den Brandbrief der Schulleiter aus Mitte: Einen Tag nachdem das Schreiben an die Öffentlichkeit gerät, kündigt der Senat an, weitere rund 400 Millionen Euro zu investieren - in Kindergärten, Schulen und Universitäten. Das Geld soll, wie auch die zuvor von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) angekündigten 50 Millionen für die Schulen, in erster Linie in die Sanierung von Gebäuden und Sportanlagen fließen. Doch die Finanzspritze hat mit dem Brief nichts zu tun - es ist vielmehr eine Folge des zweiten Konjunkturpakets des Bundes (siehe Text oben).

"Jetzt kommt es darauf an, dass das Geld nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt wird", sagt Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin. Doch auch bei optimaler Verteilung würden rund 400 Millionen nicht ausreichen: Schließlich müssten alleine für die Sanierung der Schulen rund 900 Millionen investiert werden.

Wie nötig eine bauliche Instandsetzung ist, zeigen nicht nur Beispiele aus Mitte, wo die Schulleiter das "bildungspolitische Aus" des Bezirkes befürchten. Auch Bilder aus Schulen in anderen Bezirken zeigen Verfall, etwa im Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf. Im Ausgussbecken und Abfluss in einem Chemielabor hat sich eine grünliche Schicht abgesetzt, an den Fenstern ist die Farbe abgeblättert, das blanke Holz marode, die Scheiben dazwischen zieren Graffiti. In der Decke im Büro des Schulleiters klaffte eine Zeit lang ein Loch, das den Blick auf das Leitungssystem freigab.

Schulleiter Rainer Leppin versucht, die Schäden - undichte Fenster, Heizungsprobleme, das nicht isolierte Dach und auch die herunterfallenden Deckenplatten in seinem Amtszimmer - nicht zu pessimistisch zu sehen. Schließlich sei das Fichtenberg-Gymnasium nicht die einzige Schule, die mit einem maroden Gebäude zu kämpfen habe. Doch wenn es um die naturwissenschaftlichen Räume geht, wird es bei ihm ernst. "Seit mehr als einer Generation ist hier nichts gemacht worden", erklärt Leppin. Manche Versuche könnten gar nicht durchgeführt werden, weil beispielsweise die Gasversorgung an den Schülertischen nicht mehr funktioniere. "Alleine für die Sanierung dieser Räume müsste man eine halbe Million Euro investieren", schätzt er.

Er hat Verständnis für die Schulleiter aus Mitte - zumal bei ihnen zu den baulichen Problemen noch soziale Herausforderungen kämen, die es in Steglitz-Zehlendorf so nicht gebe. Leppin kann sich auch eine Kooperation vorstellen, etwa in Form eines runden Tisches.

"Wer die letzten 20 Jahre mit der Sanierung so ins Hintertreffen geraten ist, dass jetzt Wasser durchkommt, hat die ganze Zeit etwas falsch gemacht", zeigt sich auch Inge Hirschmann, Vorsitzende des Berliner Grundschulverbands verständnisvoll für die betroffenen Schulen. Wie Leppin wünscht sich Hirschmann, dass die Vergabe der Gelder transparenter gestaltet wird. "Man muss sich genau ansehen, wie viel Geld da ist. Und wie viel einem Bildung wert ist."

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer (CDU) bezeichnete die Schilderungen der Schulleiter in Mitte als "alarmierende Hinweise". Böhmer hat sie zu einer Beratung ins Kanzleramt eingeladen - um sich aus erster Hand zu informieren. Ein Termin steht aber noch nicht fest. SVENJA BERGT

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