: Herr Unteroffizier ein Wehrsportler
■ Großrazzia in Brandenburg gegen Wehrsportgruppe / Offizier als Anführer verhaftet
Bonn/Potsdam (dpa) – Ein 33jähriger Unteroffizier der Bundeswehr ist in Brandenburg als Chef der rechtsextremen „Wehrsportgruppe Dragon“ verhaftet worden. Es bestehe der dringende Verdacht der Gründung einer kriminellen Vereinigung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz, berichtete der leitende Oberstaatsanwalt der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Rüdiger Michalik, am Wochenende. Das Ziel der Gruppe habe darin bestanden, Ausländer und Asylbewerberheime anzugreifen und zu überfallen. Vier weitere bei einer Großrazzia vorläufig festgenommene Mitglieder der Wehrsportgruppe seien inzwischen wieder auf freiem Fuß. Sie waren am vergangenen Donnerstag zusammen mit dem Unteroffizier festgenommen worden.
An der großangelegten Razzia waren mehr als einhundert Polizisten beteiligt. Bei der Durchsuchung von fünfzehn Wohnungen und Büroräumen im Raum Prenzlau im Nordosten Brandenburgs wurden nach Michaliks Angaben rechtsextreme Schriften, neonazistisches Propagandamaterial, Waffen, Munition, ein Bajonettmesser sowie eine Reichskriegsflagge beschlagnahmt.
Das Verteidigungsministerium kündigte an, gegen den Unteroffizier aus ihren Reihen unnachsichtig vorzugehen, wenn sich der Verdacht bestätigen sollte. Nach den Worten des Wehrbeauftragten des Bundestages, Alfred Biehle, gibt es in der Bundeswehr trotz einiger rechtsextremistischer Erscheinungen keinen Rechtsruck. In diesem Jahr seien im Bereich des Rechtsextremismus und ausländerfeindlichen Verhaltens von Soldaten 14 Verdachtsfälle mit 20 mutmaßlichen Tätern registriert worden, sagte Biehle in einem dpa- Gespräch. Im Vorjahr seien es 53 Verdachtsfälle mit 63 mutmaßlichen Tätern gewesen. Es habe keine Aktionen von Soldaten gegen Unterkünfte von Ausländern gegeben.
Der Sprecher der Hardthöhe, Hans-Dieter Wichter, wies die Darstellung des SPD-Abgeordneten und früheren Generals Manfred Opel zurück, rechtsextreme Jugendliche würden vermehrt in die Bundeswehr streben. Das sei „ein unerträgliches pauschales Mißtrauen gegenüber ganzen Generationen von jungen Menschen, das durch die bisherigen und gegenwärtigen Erfahrungen mit unseren Wehrpflichtigen widerlegt wird“.
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