: Heissler auf der Krankenstation
Gabriele Rollnik und Rolf Heissler seit 70 Tagen im Hungerstreik / Heissler nach Angaben seines Anwalts „stark geschwächt“ / Angelika Goder von Plötzensee ins Krankenhaus Moabit verlegt ■ Von Maria Kniesburges
Berlin (taz) - Rolf Heissler, inhaftiert im bayrischen Straubing, ist bereits am vergangenen Donnerstag in die Krankenabteilung der Vollzugsanstalt Straubing verlegt worden. Das wurde erst gestern abend bekannt. Nach Auskunft des Pressesprechers im bayrischen Justizministerium, Glocker, erfolgte diese Verlegung als „reine Vorsichtsmaßnahme“, akute Gefahr bestehe nicht. Ebenso wie die Gefangene Gabriele Rollnik in Berlin hungert Rolf Heissler heute seit 70 Tagen - am längsten von allen Gefangenen im derzeitigen Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF und anderen Gruppen.
Der Rechtsanwalt Heisslers, Rainer Koch, bezeichnet dessen Gesundheitszustand als „sehr geschwächt“. Heissler habe bereits zwei Wochen vor seiner Verlegung in die Krankenabteilung aufgrund von Gleichgewichtsstörungen nicht mehr am Hofgang teilgenommen. Die Verlegung in die Krankenabteilung sei gegen Heisslers Willen erfolgt. Anders als dies zum Teil in anderen Bundesländern praktiziert wird, darf Heissler nicht telefonieren - weder mit seinem Anwalt, noch mit anderen Gefangenen.
Nachdem Gabriele Rollnik bereits am vergangenen Freitag aus der Frauenvollzugsanstalt Berlin-Plötzensee in das Krankenhaus der Vollzugsanstalt Moabit verlegt worden war, wurde gestern auch Angelika Goder dort eingeliefert. Nach Mitteilung des Berliner Justizsenats soll dadurch „eine einheitliche medizinischen Versorgung“ der beiden Frauen sichergestellt werden“. Eine „akute lebensbedrohliche Situation“ bestehe bei beiden Frauen nicht.
Angelika Goder ist heute seit 35 Tagen im Hungerstreik. Nach Auskunft der Anwälte stimmte Angelika Goder der Verlegung zu, um mit Gabriele Rollnik zusammenkommen zu können. Dies ist den beiden Frauen in Berlin erlaubt.
Wie die Berliner Justizpressestelle gestern weiter mitteilte, liegt inzwischen ein von der Senatsverwaltung in Auftrag gegebenes medizinisches Gutachten über das Hüftgelenkleiden Angelika Goders vor. Es werde derzeit bei der Staatsanwaltschaft beim Berliner Kammergericht geprüft, so heißt es, ob die Voraussetzungen zur „Unterbrechung der Freiheitsstrafe gemäß der Strafprozeßordnung“ gegeben sind. Das Ergebnis dieser Prüfung liege jedoch noch nicht vor. Wie für die kranken Gefangenen Claudia Wannersdorfer, Bernd Rössner und Günter Sonnenberg wird von den Hungerstreikenden die Freilassung Angelika Goders gefordert.
Während die Berliner Justizbehörden der Gefangenen Gabriele Rollnik täglich Besuch von Angehörigen und Freunden gewähren, hat die baden-württembergische Justiz vor knapp einer Woche den Antrag Christian Klars auf Gewährung eines Sonderbesuchs einer niederländischen Abgeordneten des Europaparlaments „pauschal und ohne Begründung abgelehnt“, berichtete Klars Anwältin. Christian Klar ist im Stammheimer Hochsicherheitstrakt inhaftiert.
Als „stark geschwächt“ bezeichneten die Anwälte gestern den Gesundheitszustand der in Köln-Ossendorf sitzenden Adelheid Schulz. Wie Brigitte Mohnhaupt, die am letzten Donnerstag in die Krankenabteilung der Haftanstalt München-Stadelheim verlegt wurde, hungert Adelheid Schulz heute seit 56 Tagen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen