Harriet Wolff : Ode an die Serviceoase
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Was mache ich nur mit den 213,30 Euro, die ich soeben im guten, alten Lotto 6aus49 erwirtschaftet habe? Gewinnwahrscheinlichkeit bei „4 plus Superzahl“, wie es auf der Lotto-Netzseite heißt: 1:10.324. Bedeutet, oder auch nicht, weil in Mathe war ich stets eine Niete – dass erst 10.324 Lottospieler später wieder eine oder einer dieses sagenhafte Sümmchen ausgezahlt bekommt. Mein Lebensmann sagt: „Nicht weitersagen, Neider!“ Hier habe ich schon mal versagt. Braucht jemand dringend Kleingeld? Bitte nicht melden!
Ich hätte ja ganz große Lust, ganz alleine ein kleines Festmahl mit den 213,30 Euro einzunehmen. So mit weißer Tischdecke, dezent unaufdringlichem Service, das Wort professionelle Bedienung soll an dieser Stelle gar nicht fallen, aber schön ist es schon. Ich stelle mir ein Essen wie eine Göttin in Frankreich vor, so mit allem Drum und Dran, aber so gar nicht pseudo in jeglicher Hinsicht. Was ich mit pseudo meine? Hochtrabendes Attrappenmobilar etwa, verbaut in eine vermeintliche Wohlfühllandschaft, Stichwort Systemgastronomie, Innenarchitektur zum gar Grausen.
Sie heißen Petra Pane oder VaPorno, und ich verstehe nicht, was das Ganze soll, weil es kostet Geld, dort unter schlimmer Musikauswahlbeschallung zu „essen“. Häufig muss ich für mein Geld auch noch Schlange stehen, um meinen Fraß schließlich auszulösen, um ihn dann „einfach vor Ort im Self-Service gleich neben der Kitchen“ zu „genießen“, wie es irgendwo auf der Netzseite von Petra Pane heißt.
Ja, ich weiß, ist alles ein alter Gastrohut, über den ich hier schreibe, an meinem Frust ist nichts neu, es wird nur noch immer unsinnlicher, geht man mal „schön essen“. Sagt man das heute eigentlich noch? Safe nicht. VaPorno serviert im Netz folgende Drohung: Die VaPornisten „bringen Dir Getränke und frisch zubereitete Gerichte direkt an den Tisch“. Krass, einfach so! Nein, nicht einfach so: „Einfach Platz nehmen, QR-Code scannen und digital bestellen.“ Und falls ich Hilfe brauchen sollte, sind die Helferlein „jederzeit gerne“ für mich da.
Meine gesicherte Vermutung ist, dass bald schon historisches Schwarmwissen über den einst als gesichert geltenden Ablauf eines so gelungenen wie entspannten Lokalitätenbesuchs auf immer verloren gehen wird. Also, wie manche von uns wohl noch wissen, verhielt es sich vor dem Aufkommen von Nur Dort, Petra Pane und Co. wie folgt … Stopp, ich schicke voraus, dass es mal als selbstverständlich galt, dass die Gäste benutztes Geschirr im Lokal nicht eigenhändig vor Ort wuschen. Jenes fiel mir glatt ein, als ich jüngst bei der Backkette Nur Dort einen „Geschirr Dock“-Aufkleber sah, der mich informierte: „Ihr benutztes Geschirr machen wir wieder sauber!“ Danke.
Wo waren wir stehengeblieben? Bei 213,30 Euro. Für die Zahlen 19, 22, 25, 42, Superzahl 8. Zum ganz großen Festmahl und 50 Mille fehlten mir nur die Zahlen 20 und 31. Allzeit guten und gepflegten Appetit.
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