: Handkuss gegen Monster
Die Wahrheit kauft Chrysler Building in New York
Was müssen wir da Trauriges aus dem Big Apple lesen? Niemand will einen der schönsten Wolkenkratzer der Welt haben: „New Yorker Wahrzeichen zu verkaufen – kaum Interessenten für das Chrysler Building“, meldete die Art-Déco-Agentur AFP. Das dekorative Hochhaus in Manhattan sei schon arg hinfällig, aber weil es zum Kulturerbe der Stadt gehöre und unter Denkmalschutz stehe, finde sich kein Käufer. Außerdem gebe es abblätternde Farbe an den Wänden und nicht funktionierende Aufzüge, unsauberes Wasser aus den Wasserspendern und sogar Mäuse- oder Rattenbefall. Auch wenn das Chrysler nicht das Empire State ist, auf dem einst Godzilla herumturnte, hat es doch eine große popkulturelle Tradition. Dort nistete 1982 in „American Monster“ das „Ungeheuer von New York“ und terrorisierte in Vorwegnahme von Osama bin Laden Manhattan. Oder 1998 in „Armageddon“ fiel es einer Meteoriten-Attacke zum Opfer. Oder in „Ghostbuster II“ wird angeblich ein gigantisches Geistermonster auf dem Gebäude eliminiert. Grund genug für die Wahrheit, die spezialisiert ist auf den Kampf mit dem Bösen in der Welt, einzugreifen und ihren Sparstrumpf zu opfern. Wenn das Chrysler keiner will, die Wahrheit nimmt es mit Handkuss und für einen symbolischen Dollar.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen