: Halle: Nach der Demo zur Randale
■ In Halle lieferten sich linke und rechtsradikale Demonstranten eine brutale Schlägerei
Nach einer Demonstration der rechtsextremistischen NPD haben sich am Samstag abend in Halle Anhänger der rechten Szene und linke Gegendemonstranten heftige Straßenschlachten geliefert. Die Polizei nahm im Verlauf der vierstündigen Krawalle in der Hallenser Innenstadt 234 Personen vorübergehend fest und beschlagnahmte „35 Kartoffelsäcke voll“ Waffen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Vier Randalierer wurden leicht verletzt.
Nach Angaben der Polizei waren etwa 800 rechtsradikale Jugendliche und rund 1.000 militante Linke an den Krawallen beteiligt. Die Sicherheitskräfte waren mit rund 1.600 Beamten aus Polizei, Bereitschaftspolizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz. An der vorangegangenen Demonstration der NPD hatten sich etwa 400 Personen beteiligt, die teilweise aus Westdeutschland angereist waren. Sie erhielten im Laufe des Nachmittags weiteren Zulauf aus Leipzig, wo ein geplanter Fackelzug der FAP von der Stadt untersagt worden war.
Mehrere Gruppen von militanten Rechten, vorrangig aus den alten Bundesländern, wurden nach Angaben der Polizei bei Kontrollen auf den Einfallstraßen nach Halle abgefangen. Dabei wurden neun Personen vorläufig festgenommen und zahlreiche Waffen wie Wurfsterne, Totschläger und Luftdruckwaffen sichergestellt.
Friedlich verlaufen war zuvor eine von der Antifaschistischen Aktion Halle initiierte Gegendemonstration, an der sich rund 2.000 Personen beteiligten. Neben Bürgerinitiativen war dabei das autonome Spektrum stark vertreten, das nach Abschluß der Demonstration in der Stadt blieb. Die Zusammenstöße am Abend, die erst nach Abschluß beider Veranstaltungen ausbrachen, waren nach Einschätzung der Polizei von beiden Seiten bewußt gesucht worden. Die Festnahmen verteilten sich nach Angaben der Polizei gleichmäßig auf beide Gruppen, ebenso die beschlagnahmten Waffen. Unter den sichergestellten Gegenständen befanden sich Gas- und Schreckschußpistolen, Luftdruckgewehre, Präzisionsschleudern, angeschliffene Wurfsterne, Schlagringe und Knüppel. Die Sachschäden umfaßten unter anderem demolierte Autos und Straßenbahnen. Die Einsatzkräfte hatten die Krawallzentren sofort nach Ausbruch der Gewalttätigkeiten eingekesselt, im Lagezentrum standen ein Staatsanwalt und ein Haftrichter bereit.
In Wismar hatte die Polizei schon am frühen Morgen mit Warnschüssen eine Massenschlägerei aufgelöst. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, war die Schlägerei zwischen etwa 30 deutschen Jugendlichen und 40 ausländischen Studenten der Technischen Universität Wismar in einer Diskothek ausgebrochen. Nachdem die Polizei die Krawalle aufgelöst hatte, verfolgten die deutschen Jugendlichen die Ausländer bis zu deren Wohnheim, wo die Keilerei erneut ausbrach. Drei Personen wurden verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. In Greifswald griffen in derselben Nacht etwa 40 rechtsradikale Jugendliche ein von zehn Jugendlichen besetztes Haus an. Die Polizei nahm 26 Angreifer vorläufig fest. afp
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