piwik no script img

Häftlinge im Hungerstreik

■ In mehreren Berliner Knästen protestieren Gefangene durch Hungerstreiks / Fünf Kurden im Abschiebegefängnis, eine Frau in Plötzensee / Ein Häftling hungert seit 51 Tage

Im Abschiebeknast Kruppstraße setzen die am Donnerstag vergangener Woche in den Hungerstreik getretenen fünf Kurden ihren Protest gegen die Haftbedingungen, die lange Haftdauer, die täglich drohende Abschiebung und die Verfolgung der Kurden in der Türkei fort.

Das wurde gestern von verschiedenen Flüchtlingsgruppen bekannt gemacht. In einer Pressemitteilung erklärten diese sich mit den Hungerstreikenden solidarisch. Der Vertreter des Innensenatssprechers, Sassenroth, erklärte auf Nachfrage der taz, die fünf Gefangenen verweigerten zwar die Annahme der Anstaltskost, ließen sich aber von Besuchern mit Nahrungsmitteln versorgen.

Der 45jährige Gefangene Werner Guderjahn ist am gestrigen 51. Tag seines Hungerstreiks zusätzlich in den Durststreik getreten. Das teilte Guderjahns Vollzugshelferin Erika Kaussow mit. Wie berichtet, hungert der Gefangene seit dem 1. Janaur dieses Jahres. Er fühlt sich unschuldig wegen Raubmordes zu einer 14jährigen Haftstrafe verurteilt und kämpft mit dem Hungerstreik um ein Wiederaufnahmeverfahren. Nach Angaben seiner Vollzugshelferin fordert Guderjahn mindestens ein Jahr Haftunterbrechung, um während dieser Zeit die für ein Wiederaufnahmeverfahren erforderlichen Beweise seiner Unschuld sichern zu können. Justizsprecher Christoffel bestätigte, daß der Gefangene gestern von der Haftanstalt Tegel in das Moabiter Haftkrankenhaus verlegt wurde, sein Gesundheitszustand sei bisher aber unbedenklich. Die Justizverwaltung sei nach wie vor nicht bereit, auf die Forderungen einzugehen.

Nach Angaben der AL-Abgeordneten Kirsten Jörgensen befindet sich in der Frauenhaftanstalt Plötzensee eine 29jährige Gefangene seit dem 15. Februar im Hungerstreik, um damit ihre Verlegung in eine Therapieeinrichtung oder eine Nervenklinik zu erreichen. Die Justizpressestelle konnte oder wollte dazu gestern keine näheren Angaben machen.

plu

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen