: HOLLANDS VERKEHRSPOLITIK IST IN GEFAHR
Fahrraddiebe
Amsterdam (dpa) — Der Diebstahl von Fahrrädern hat in den Niederlanden ein derartiges Ausmaß erreicht, daß die verkehrspolitischen Ziele der Haager Regierung gefährdet scheinen. Während die Politik mit allen Mitteln Autofahrer zum Umsatteln bewegen will, benutzen immer weniger Großstädter ein Rad, weil die Gefahr, daß es ihnen gestohlen wird, einfach zu groß geworden ist.
Allein in Amsterdam werden jährlich 150.000 Räder gestohlen. Das ist jedes dritte des kompletten Fahrradbestandes, fand eine hauptstädtische Untersuchungskommission heraus. Die Folgen: Das Rad wird zum einen immer weniger benutzt, zum anderen werden immer mehr alte und verkehrsunsichere Räder gefahren, damit der einkalkulierte Verlust nicht so schmerzt. Teure Räder werden oft in der Wohnung geparkt und nur am Wochenende benutzt.
Die Polizei hat längst resigniert. Fahrraddiebstahl und Hehlerei gelten in den Niederlanden weithin und zunehmend als Kavaliersdelikte. Die Amsterdamer Kommission: „Auch der braveste Bürger sieht kaum noch Schlechtes darin, mit einem gestohlenen Rad durch die Gegend zu fahren.“
Nach dem Verkehrsplan der Regierung soll der Gebrauch des Rades bis zum Jahr 2010 um 30 Prozent gesteigert werden. Tatsächlich fiel er aber nach Angaben des Statistischen Amtes 1991 um zwei Prozent — trotz eines um drei Prozent zugenommenen Gesamtverkehrs. Mit 50 Millionen Gulden, rund 45 Millionen Mark, soll in den nächsten Jahren das Radwegenetz weiter ausgebaut werden. Das 'NRC Handelsblad‘ formulierte jüngst: „In den Innenstädten werden immer mehr Radwege angelegt, doch sieht man immer weniger Radfahrer darauf.“
Eine Lösung des Problems sieht die Amsterdamer Kommission vorrangig im Bau zahlreicher bewachter Rad-Parkplätze, eine Forderung, die auch der niederländische Radfahrerbund erhebt.
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