piwik no script img

Großes Schulterklopfen beim Sportbund

■ Hauptvorstand spricht Chef Friedel Gütt Vertrauen aus / HSB-Frauen in der Schußlinie / Verbot für zweites Frauenfest

Vertrauen aus / HSB-Frauen in der Schußlinie / Verbot für zweites Frauenfest

„Ich bin natürlich total happy. Die haben gesagt: ,Wir wissen, wie du denkst, da brauchen wir nicht große Erklärungen‘.“ Friedel Gütt, seit zwölf Jahren Präsident des Hamburger Sport-Bundes (HSB), war gestern zufrieden. Fast einstimmig hat der Hauptausschuß des HSB ihm am Dienstagabend das Vertrauen ausgesprochen. Vorangegangen war eine Debatte, in deren Verlauf die Vorsitzende des HSB-Frauenausschusses, Renate Buchholz, heftig angegriffen wurde.

„Es ging gar nicht mehr um die Zitate. Es ging wieder um das Frauenfest“, berichtet Renate Buchholz. Sie sei erschüttert, wie mit der Frauensportwoche umgegangen wurde, und „wie schwer es doch ist, mit Männern zusammenzuarbeiten“. Die HSB-Funktionärin hatte im NDR gefordert, Gütt müsse aus der Sache Konsequenzen ziehen. Buchholz: „Die haben mir dann unterstellt, daß der Frauenausschuß Gütt absägen wolle.“ Das sei aber nicht der Fall. Gerade Gütt sei einer gewesen, der die Frauenwoche gegen den Widerstand anderer Funktionäre unterstützt habe. Buchholz: „Deshalb haben mich seine Aussagen so entsetzt.“

Gütt hatte in einem Interview mit Sportstudentinnen unter anderem gesagt, der Sport dürfe sich nicht mit etwas behängen, das abschreckt, „Lesben, Ausländer, was auch immer“. Und weiter: „Ich würde meine Tochter nirgendwo hinschicken, wo sie Gefahr läuft, daß ihr eine andere Frau unter den Rock greift.“ Dabei bezog sich Gütt auf das Abschlußfest der letzten Frauensportwoche, auf dem auch küssende lesbische Pärchen gesichtet wurden. Gütt gestern zur taz: „So ein Frauenfest, das umqualifiziert werden kann, da habe ich ein direktes Verbot des gestrigen Hauptausschusses.“ Der Frauenausschuß sei beauftragt, sich fürs nächste Mal etwas Neues zu überlegen. Ein Fest am Vormittag vielleicht, „mit einer hübschen Jazz-Kapelle, Kaffee und Bier“ (sic!).

Also alles in Butter? Während im HSB großes Schulterklopfen angesagt ist, häufen sich die Stellungnahmen empörter Frauen. „Der HSB ist einfach ein Männerklub. Das sind Fossilien dieser Gesellschaft“, sagt die sportpolitische Sprecherin der GAL, Ulla Bussek. Da die Sportjournalisten auch allesamt Männer seien, müßten sie sich kaum öffentlich auseinandersetzen. Bussek: „Diese ganze Szene ist einfach abschreckend.“ Während ihr Anmachen von Lesben im Sport nicht bekannt seien, habe sie oft gehört, „daß Mädchen regelrecht durch die Trainerbetten hüpfen müssen, um bei Mannschaftsspielen aufgestellt zu werden“.

„Es sind nicht die Lesben, die Homos, die Ausländer, die jungen Mädchen unter die Röcke greifen“, sagte gestern auch Frauensenatorin Traute Müller. Es seien die ganz normalen Hetero-Männer, die ihre Position als Trainer nutzten, um auch private Kontakte herzustellen.

Auch bundesweit haben Gütts Sprüche Reaktionen provoziert. „Es ist typisch, unliebsame Gruppen dadurch zu stigmatisieren, daß man ihnen kriminelle Handlungen unterstellt“, sagte Jutta Oesterle- Schwerin vom Bundes-Lesben-Ring. Sie glaubt, daß künftig häufiger solche Stellungnahmen kommen, „weil wir Lesben sichtbarer geworden sind“. Der Lesben-Ring und der Schwulenverband (SVD) haben gestern Gütts Rücktritt gefordert. Im Prinzip, sagt Ulla Bussek, würde sie das auch tun. Aber es gebe im HSB-Präsidium nur noch abschreckendere Alternativen. kaj

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen