Gold für Österreich im Frauen-Super-G: I shame me so for my english

Andrea Fischbacher lindert mit Gold im Super-G wenigstens ein wenig die Zweifel der Skisportnation Österreich. Angesichts ausbleibender Medaillen drohte Weltuntergangsstimmung.

"Gold-Fischi" kniet bei der Siegerehrung für den Super-G-Wettbewerb vor den Zuschauern nieder. Bild: ap

WHISTLER taz | Andrea Fischbacher, in ihrer Heimat Österreich seit Samstag auch unter dem Kosenamen "Gold-Fischi" bekannt, kann zwar rasend schnell die Pisten hinunter fegen. Deutlich langsamer wird die junge Dame aus dem Salzburger Land aber, sobald sie mit Fragen konfrontiert wird, die sie auf Englisch beantworten soll. Und nach ihrem Olympiasieg im Super-G, in dem sie unter anderem die große Lindsey Vonn mit 0,74 Sekunden Vorsprung auf das Bronzepodest schickte, gab es hiervon jede Menge. Und eine durfte auf keinen Fall fehlen - die Frage nach Hermann Maier.

Der zweifache Olympiasieger, der vor vier Monaten sehr plötzlich seinen Rücktritt erklärt hatte, ist mit Fischbacher weitläufig verwandt. Die 24-Jährige ist Maiers Großcousine - und weil ein Verwandter (relative) und ein Verhältnis (relationship) bei etwas brüchigem Englisch leicht durcheinander geraten können, antwortete Fischbacher am Samstag auf die Frage nach Hermann Maier sicherheitshalber doppelt.

"Ich kenne ihn, er ist mein Cousin", teilte sie erst mit - und erklärte dann: "Ich habe keinen Freund." Danach erwähnte sie noch kurz ihre und Maiers Großmutter, zwei Schwestern, und schloss: "Mehr Kontakt gibt es nicht." Kontakt zu der besiegten Vonn gab es am Sonnabend auch nur bei der Siegerehrung um High Noon. Bei der anschließenden Pressekonferenz traten zunächst Fischbacher und die Silbermedaillengewinnerin Tina Maze aus Slowenien gemeinsam auf - und nach ihnen die 25-jährige Vonn als Solistin. Vonn, die Bronze geholt hatte. Nur Bronze, wie manche meinen.

Die olympische Abfahrt hatte sie bereits gewonnen - und ehe das Super-G-Rennen auf dem ausgesprochen anspruchsvollen Kurs losging, plagte die drei aufgekratzten Stadionsprecher nur eine Frage: "Lindsey Vonn hat schon eine Goldmedaille, Maria Riesch auch. Wer von den beiden holt heute die zweite?" Ein unsinniger Affront - speziell gegenüber Fischbacher, die als Mit-Favoritin ins Rennen gegangen war.

Riesch dagegen, am Donnerstag überglückliche Olympiasiegerin in der Super-Kombination, landete in der Endabrechnung auf Rang 8 - und gab zu: "Ich wollte schon noch mal etwas zeigen. Aber der Kurs heute war dann doch ein bisschen zu schwer für mich." Und fand, angesichts ihrer bereits gewonnenen Medaille: "Eigentlich kann mir hier nichts mehr passieren."

So geht es nun auch Andrea Fischbacher, die mit ihrem Sieg die aufkommende Weltuntergangsstimmung im Alpin-Land Austria, vor allem ausgelöst durch die schlechten Ergebnisse bei den Männern, erst einmal linderte. Vier Tage vor ihrem Triumph war die Österreicherin in der Abfahrt noch um 0,03 Sekunden an Bronze vorbei geschossen. "Vierte Plätze sind beschissen, da setzt man alles dran, damit das nicht noch einmal passiert", kündigte sie vor dem Super-G deshalb an - und setzte ihr Versprechen auf dem vom österreichischen Trainer Jürgen Kriechbaum gesteckten Kurs wuchtig in die Tat um.

"Da hat er mir einen perfekten Kurs gemacht", dankte Fischbacher artig - und erläuterte ihren Vorteil gegenüber Vonn an diesem Tag: "Manchmal ist es besser zu attackieren als konservativ zu fahren - so wie ich das in der Abfahrt noch gemacht habe." Ob sie die haarscharf verpasste Abfahrts-Medaille besonders motiviert habe? "Yeah", antwortete Fischbacher in ihrem schlichten Englisch, diese "three Hundredstel" seien wirklich schlimm gewesen. Jetzt aber hat Austria dank ihr endlich alpines Gold auf dem Konto. "Und dass es auch noch das erste ist", schnaufte Fischbacher, von sich selbst beeindruckt, "ist echt verrückt."

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