Gleichberechtigung in Sport und Politik: Handballer mit Haltung

Der Kreisläufer des THW Kiel, Hendrik Pekeler ist Gesicht einer Kampagne für mehr Frauen in der Politik. Er will Chancengleichheit für seine Töchter.

Hendrik Pekeler im Trikot der Nationalmannschaft setzt zum Wurf an

Unterstützt eine Kampagne des Landesfrauenrats: THW-Kiel-Spieler Hendrik Pekeler Foto: Robert Michael/dpa

HANNOVER taz | Wenn Jour­na­lis­t:in­nen und Fans darüber klagen, dass Sport­le­r:in­nen heute so von Vereins-PR weichgespült oder nicht mehr als bunt tätowierte Kleiderständer für Trikotsponsoren seien, wünschen sie sich einen Typ Sportler wie Hendrik Pekeler. Den Handballer vom THW Kiel beschreibt Teamkollege Patrick Wiencek zwar als „ruhigen Vertreter“, und Pekeler drängt sich nicht in den Vordergrund. Aber er zeigt Haltung.

Der 29-Jährige hatte öffentlich kritisiert, dass die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten trotz Coronapandemie im Januar stattfand, ließ seinen Worten dann Taten folgen und blieb Zuhause. Als er dafür in sozialen Medien angefeindet wurde, machte er das öffentlich. „Nur, weil ihr im Internet ‚anonym‘ seid, lasse ich mich nicht von euch beleidigen“, schrieb er.

Und während politische Äußerungen für die meisten Sport­le­r:in­nen ein No-Go sind, ist Pekeler nun Gesicht einer Kampagne des Landesfrauenrats Schleswig-Holstein. Ziel von „50:50 – Gleiche Macht für alle“ ist es, dass Frauen und Männer im Land zu gleichen Teilen politische Verantwortung tragen. Aktuell sind im Kieler Landtag nur 23 von 73 Abgeordneten Frauen.

Gleiche Chancen für seine Töchter

Pekeler schreibt auf Instagram, die Gesellschaft bestehe etwa je zur Hälfte aus Frauen und Männern. „Daher sollte sich dies auch in der Politik widerspiegeln.“ Dass Frauen in Männerdomänen erfolgreich sind, ist dem Kreisläufer auch im Sport wichtig: „Als ich 2011 in die Handball-Bundesliga gekommen bin, wurden unsere Spiele hauptsächlich von Männern geleitet“, sagt er in einem Video zur Kampagne.

„Mittlerweile haben wir auch weibliche Schiedsrichter in der Liga. Ich finde es positiv, dass die Frauen so gut angenommen werden.“ Eine gesellschaftliche Veränderung wünscht er sich vor allem für seine beiden Töchter. Sie sollten „die gleichen Chancen haben wie ihre gleichaltrigen Klassenkameraden“.

Er selbst hat sich seine Chance erarbeitet. In Glücksstadt aufgewachsen, begann er mit zehn Jahren Handball zu spielen. Heute ist er einer der Schlüsselspieler in der Abwehr des Rekordmeisters THW Kiel, mit dem er am Samstag beim 23:19 gegen Wetzlar den Anspruch auf die erneute Titelverteidigung untermauerte.

Wenn er da steht, den Gegner genau im Blick, mindestens in der ersten Halbzeit permanent Kaugummi kauend, wirkt er überaus konzentriert. Ernsthaft. Er spielt einen schnörkellosen Handball, arbeitet, packt zu, setzt im Angriff clevere Sperren am Kreis. Pekeler gilt als einer der besten Abwehrspieler weltweit. Die deutsche Nationalmannschaft war bei der WM in Ägypten auch deshalb so schwach, weil er fehlte.

Pekeler will in Tokio dabei sein

Seit den Olympia-Qualifikationsspielen ist Pekeler wieder dabei. Das Ticket für Tokio hat das Team nach zwei Siegen und einem in letzter Sekunde geretteten Unentschieden erreicht. Noch einmal will Pekeler wohl nicht auf so ein großes Turnier verzichten: „Aktuell gehe ich davon aus, dass ich dabei bin“, sagte er nach dem Sieg gegen Algerien. Die Sommerspiele sollen trotz Pandemie Ende Juli beginnen, allerdings ohne ausländische Zuschauer:innen.

Geht es um die Ziele, spricht Pekeler wieder Klartext, auch öffentlich. Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, hatte eine Goldmedaille gefordert. „Für Olympia-Gold kommen andere Nationen eher infrage als wir“, erwiderte Pekeler im Mannheimer Morgen. Andere Teams seien besser besetzt. „Was nicht heißen soll, dass wir nicht auch eine Medaille gewinnen können. Aber Stand jetzt kann man diese nicht erwarten. Das wäre unrealistisch.“ Punkt.

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