: Giftschiff am Ende der Irrfahrt
Bonn/Istanbul (dpa/taz) -Das Geisterschiff des Giftmülltourismus, die bundesdeutsche MS „Petersberg“, ist von ihrem Fluch, der Ladung von 1.200 Tonen Mülls vom Abbruch einer Chemiefabrik, befreit. Nach einer 13monatigen Irrfahrt über Donau und Schwarzes Meer wurde der Müll jetzt mit Erlaubnis der sowjetischen Behörden auf das Binnenschiff „Barbara Blomberg“ umgeladen. Das nimmt Kurs auf Wien, wo er verbrannt werden soll.
Verkehrsminister Zimmermann zeigt sich lernfähig: Sonderabfälle sollen in Zukunft nur noch dann auf deutschen Schiffen transportiert werden, wenn eine Aufnahmeerklärung des Empfängerlandes und eine Rücknahmeerklärung des „Entsorgungslandes“ vorliegt, kündigte er an.
Die Odyssee der „Petersberg“ hatte am 18.Mai 1988 in Wien begonnen. Das Schiff nahm im Auftrag des „Bayerischen Lloyd“ die 1.200 Tonnen Industriemüll an Bord. Der Schutt sollte in den türkischen Hafen Izmit verschifft werden. Die Türkei lehnte dann aber die zunächst zugesagte Annahme der Ladung ab, da der Schutt radioaktiv sei. Die „Petersberg“ durfte im März in sowjetischen Hoheitsgewässern im Schwarzen Meer endgültig vor Anker gehen. Rumänien hatte die Rückfahrt über die Donau verboten. Auch Österreich weigerte sich zunächst, den Sondermüll zurückzunehmen. Es sei möglicherweise weiteres Gift an Bord gelangt, das nicht aus Österreich stamme, hieß es. Erst als genaue Analysen vorlagen, die nach Angaben der Behörden zeigten, daß die Ladung ungefährlich sei, war Wien bereit, den Müll aufzunehmen.
An Bord des mittlerweile mit Algen überzogenen Schiffes herrschten Depressionen. Zwei Kapitäne mußten ausgewechselt werden, da sie Nervenzusammenbrüche erlitten. Zuletzt gehörten ein Kapitän, ein Steuermann und zwei Matrosen zur Besatzung. Die „Petersberg“ soll in Piräus repariert werden.
Der „Bayrische Lloyd“ hat jetzt Furcht vor allzuviel Publicity. Die „Barbara Blomberg“ schippert in einer Tag und Nachtfahrt donauaufwärts. In Wien wird sie in der zweiten Hälfte dieser Woche erwartet. Offen blieb bisher, wer die Kosten der rund 1,4 Millionen Mark teuren Mülltour bezahlen muß.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen