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Gezielte Politik gegen Behinderte

Hessens Kultusminister stellt behinderte Schüler bloß / Falsch aus schulpsychologischen Gutachten von zwei behinderten Kindern zur Integrationsfähigkeit zitiert / Integration der Kinder ist möglich  ■  Von Klaus-Peter Klingelschmitt

Wiesbaden (taz) - Der hessische CDU-Kultusminister Wagner hat versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen. Im Zusammenhang mit einem von Wagner am Dienstag vorgestellten „schulpsychologischen Obergutachten“ zur Integrationsfähigkeit von zwei behinderten Kindern in die Grundschule von Bad Soden-Allendorf hatte der Kultusminister behauptet, daß die beiden Kinder dem Unterricht in der Regelschule „intellektuell nicht folgen“ könnten.

Die Grünen im hessischen Landtag und die Mutter eines der betroffenen Kinder, denen von Wagner die Einschulung in die Grundschule verweigert wurde, traten gestern in Wiesbaden den Gegenbeweis zu den Wagnerschen Behauptungen an. Der Landespressekonferenz wurde vom grünen Landtagsabgeordneten Fritz Hertle das schulpsychologische Gutachten vorgelegt, das zum genau gegenteiligen Schluß kommt: „Beide Kinder“, heißt es da, seien „aufgrund ihrer sozialen Kompetenz in der Lage, anerkannte Mitglieder der Klassengemeinschaft zu werden“.

Johannes Batton, Lehrer aus Bad Soden-Allendorf, wies daraufhin, daß sich sämtliche Lehrkräfte an der dortigen Grundschule für die Aufnahme von Tim und Katharina ausgesprochen hätten und daß ein in der Grundschule schon laufender Integrationsversuch „überaus erfolgreich“ sei.

Unterstützung erhielten die betroffenen Kinder und Eltern auch von wissenschaftlicher Seite. Die Professoren Meier und Reiser von der Uni-Frankfurt, die Integrationsversuche in anderen hessischen Städten wissenschaftlich begleiten, sprachen sich vehement für die Einrichtung weiterer Schulversuche aus. Der hessische Elternverein und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft appellierten an den hessischen Landtag, die von Wagner getroffene Entscheidung nach der Sommerpause zu revidieren. Ein entsprechender Antrag wurde von den Grünen eingebracht.

Die Regierungspartei FDP hat bereits laut Kritik an der Entscheidung des CDU-Kultusministers geübt. In Wiesbaden erklärte die sozialpolitische Sprecherin der FDP, Gisela Babel, daß sich der Kultusminister nicht „im Grundsätzlichen verstricken“ dürfe. Zwar wolle auch die FDP nicht die „Integration um jeden Preis“, doch dort, wo alle Beiligten zustimmen, sollte die Integration behinderter Kinder ermöglicht werden, „zum Wohl der gesunden wie der behinderten Kinder“.

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