piwik no script img

Gewerkschaftstag der IGBE mit Walesa

Festakt zum 100. Jahrestag / IGBE-Chef wettert gegen Brüssel: Energiepolitik muß in Bonn gemacht werden / Subventionsabbau im deutschen Steinkohlebergbau unakzeptabel  ■  Aus Dortmund Walter Jakobs

Auf dem 19. Gewerkschaftstag der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE), der mit dem 100. Geburtstag der Gewerkschaft zusammenfiel, hat der Vorsitzende Heinz-Werner Meyer sich am Freitag vehement gegen eine weitere Verkleinerung des deutschen Steinkohlenbergbaus gewandt. Meyer zeigte sich zugleich mit den Ergebnissen des kohlepolitischen Spitzengesprächs vom August dieses Jahres in Bonn zufrieden. Mit den dort zwischen Bundeskanzler Kohl und den Ministerpräsidenten Rau und Lafontaine erzielten Ergebnissen „sei ein großer Schritt nach vorn getan“ und der Jahrhundertvertrag, der die Verstromung der deutschen Steinkohle bis 1995 regelt (siehe Seite 11), „auf festen Boden gestellt worden“. Die „unmittelbare Verantwortung für die deutsche Energiepolitik“ muß nach Meyer auch künftig „in Bonn, nicht in Brüssel liegen“. Zwar wolle auch die IGBE ein vereintes Europa, die Vorstellungen der Kommission zum Subventionsabbau im deutschen Steinkohlenbergbau seien aber nicht akzeptabel, sagte Meyer. Gleichzeitig lehnte Meyer den Import von französischem Atomenergiestrom ab, der in der BRD „den Kohlestrom verdrängen würde“.

Am Nachmittag sprach Lech Walesa zu den Delegierten. Wie schon bei früheren Auftritten nutzte er die Gelegenheit, um für „die Schaffung des einen Europas“ zu werben, „in dem alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen“. Er wolle zwar „hauptsächlich der sein, der die Rechte der arbeitenden Bevölkerung verteidigt“, aber in Polen könne man nicht „immer nur Gewerkschafter sein“, denn dafür fehle noch die Grundlage, sagte Walesa. „Zunächst müssen wir erst mal die Wirtschaft aufbauen.“ Zwischen Deutschen und Polen seien in der Vergangenheit „auf beiden Seiten genug Komplexe geäußert worden“, jetzt gehe es um den Neuanfang der Beziehungen. Walesa zum Schluß: „Ich lade euch nach Polen ein. Der Vorhang ist auf.“

In einem Festakt zum 100. Jahrestag hatte am Freitag morgen die Bundespräsidentin Rita Süssmuth die Geschlossenheit und den hohen Organisationsgrad der Bergleute gelobt. Die 100jährige Politik der IGBE zeige, „daß Erfolge dann erkämpft werden, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagte die Christdemokratin. Am heutigen Samstag wird die IGBE ihren Geburtstag mit einer historischen Revue in der Dortmunder Westfalenhalle feiern.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen