: Geständnis im Fall Lockerbie
■ Palästinenser bekennt sich zu Anschlag
Nikosia (taz) – Viereinhalb Jahre nach dem Anschlag auf ein Passagierflugzeug von Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie hat gestern ein Geständnis für Überraschung und Skepsis gesorgt. Jussef Shabaan, der in Beirut wegen der Ermordung eines jordanischen Diplomaten vor Gericht steht und Mitglied der radikalen palästinensischen Untergrundgruppe von Abu Nidal ist, erklärte, er habe die Bombe an Bord der Maschine gebracht. 270 Menschen waren dem Anschlag zum Opfer gefallen. Nähere Angaben darüber, wann, wo und wie er den Sprengsatz an Bord gebracht haben will, lagen zunächst nicht vor. Der 29jährige Shabaan sagte weiter, er habe vor dem Untersuchungsrichter schon früher ein Geständnis abgelegt, dies sei jedoch nicht protokolliert worden. Die Abu-Nidal-Gruppe verfügt über gute Beziehungen zu Libyen.
Bislang hatten die USA und Großbritannien zwei libysche Staatsbürger für die Tat verantwortlich gemacht. Um ihre Auslieferung zu erzwingen, hatte der UN-Sicherheitsrat 1992 Sanktionen gegen Libyen durchgesetzt. In einer ersten Reaktion auf das Geständnis erklärte das britische Außenministerium gestern, die Forderung nach Auslieferung der beiden mutmaßlichen Attentäter bleibe weiter bestehen; sie müßten in Schottland vor Gericht aussagen. In Beirut wurde der Prozeß gegen Shabaan und zwei weitere Angeklagte – ihnen droht die Todesstrafe – zunächst ausgesetzt. Khadir Obeid
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