Geständiger Anklagevertreter in Hannover: Ein Staatsanwalt taut auf
An Koksdealer Ermittlungsinterna verkauft zu haben, hat ein Staatsanwalt gestanden. Damit will er seinen Strafprozess abkürzen.
Die meisten ihm zur Last gelegten Taten hat ein wegen mutmaßlicher Geschäfte mit Kokainhändlern angeklagter Staatsanwalt vorm Landgericht Hannover gestanden. Ihm blüht nun eine Freiheitsstrafe von über acht Jahren.
Mit dem Geständnis folgte der Angeklagte einem Verständigungsvorschlag der Strafkammer. Den nahmen Verteidigung und Anklagebehörde auf Basis von Gesprächen außerhalb der Hauptverhandlung an.
Der Angeklagte räumte 9 der 14 ihm von der Staatsanwaltschaft Osnabrück vorgeworfenen Straftaten umfassend ein. Pro Tat, bei der er Kokainhändlern nach eigenen Angaben Informationen verkaufte, habe er 2.500 Euro erhalten. Im Gegenzug wurden die 5 noch offenen Anklagepunkte fallen gelassen.
Prozess wird kürzer
Bisher hatten sich die Prozessbeteiligten auf eine Verfahrensdauer bis mindestens Ende Mai 2026 eingestellt. Laut Verteidigung erhofft sich der Angeklagte von der Verständigung neben einem deutlich rascheren Ende des Verfahrens auch bessere Haftbedingungen.
Der in Untersuchungshaft sitzende Jurist soll zwischen Juni 2020 und März 2021 gegen Geld Interna aus Ermittlungsverfahren preisgegeben und eine internationale Drogenbande vor einer Razzia gewarnt haben. Sie hing mit dem Fund von 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen zusammen. (taz, dpa)
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