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GentechnikBASF-Kartoffel auf dem falschem Acker

Nach der Panne mit seinen Amflora-Kartoffeln muss BASF die Knollen nun umpflügen, kleinhäckseln - und die Reste mit Pestiziden vernichten. Vermutlich wird trotzdem etwas wachsen.

Die manipulierte Knolle: Amflora. Bild: dpa

BERLIN taz | Mit seiner gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora hat der Chemiekonzern BASF kein Glück. Erst verweigerten die EU-Umweltminister dem Chemieunternehmen die europaweite Zulassung für den kommerziellen Amflora-Anbau. Wenige Tage später musste die BASF die auf einen Kartoffelacker in Zepkow (Mecklenburg-Vorpommern) ausgebrachten Amflora-Knollen vernichten.

Die gentechnisch veränderten Knollen waren "versehentlich", wie die BASF mitteilte, auf dem falschen Acker gelandet. Die Größe des irrtümlich bearbeiteten Feldes gab BASF-Sprecherin Susanne Benner gegenüber der taz mit rund "20 Hektar" an.

Begangen hat den "Fehler" der Gutsbesitzer und Inhaber eines Saatgutbetriebes, Karl-Heinrich Niehoff, aus dem Nachbarort Bütow. Er pflanzte die Gentech-Kartoffeln im Auftrag der BASF auf seinem Acker in Zepkow.

Auch ohne die Freigabe aus Brüssel hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) der BASF an drei Standorten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg einen großflächigen Anbau der Amflora-Knollen auf insgesamt 155 Hektar als "Freisetzungsversuch" genehmigt.

Ende Juni will die BASF dann bei einer Kontrolle des Zepkower Ackers festgestellt haben, dass in Zepkow die Kartoffeln "versehentlich auf einem angrenzenden Feldstück ausgepflanzt" wurden. Man habe unverzüglich die zuständigen Behörden davon in Kenntnis gesetzt. Unter Aufsicht der beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) angesiedelten Überwachungsbehörde, sei "der Feldversuch auf dem nicht im Antrag genannten Flurstück abgebrochen worden, erklärte das Unternehmen: "Der Bestand ist mechanisch vernichtet worden." Die Kartoffeln auf dem Feldstück seien gerodet und gehäckselt worden, bestätigte Lagus-Direktor Heiko Will. "Später noch auskeimendes Pflanzgut wird die BASF mit Pestiziden vernichten."

Die Bürgerinitiative "Müritz-Region gentechnikfrei" geht davon aus, dass es auf dem betroffenen Acker auf jeden Fall zum Durchwuchs von Gentech-Kartoffeln kommen wird. "Selbst Hobbygärtner wissen, dass sich sogar aus Kartoffelschalen neue Pflanzen entwickeln können", erklärte Sprecherin Christiane Hämling. Sie hat kein Verständnis dafür, dass der Feldversuch vom BVL genehmigt worden ist. Es gebe nicht einmal umfassende Fütterungstudien. Diesen Punkt hatten auch die EU-Umweltminister moniert, als sie die Entscheidung über den BASF-Antrag verschoben.

Der Amflora-Anbau in Zepkow sei ja unter dem Deckmantel eines Freisetzungsversuches genehmigt worden, erklärt Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL). "Diese finden ja eigentlich mit besonderen Sicherheitsauflagen statt." Wenn es hier schon passieren könne, "dass das falsche Feld bepflanzt wird, was ist dann erst alles möglich, wenn der kommerzielle Anbau freigegeben wird", warnt sie.

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