„Genozid-“Resolution in Polens Parlament: Ukraines Nationalisten sind wütend
Der Sejm nennt die Massaker in Wolhynien von 1943 einen „Genozid“. In der Ukraine reagieren einige drauf sehr verärgert.
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Ein eisiger Ton und gegenseitige Vorwürfe prägen die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine seit vergangenen Freitag. Da hatte das polnische Unterhaus, der Sejm, die Massaker von 1943 in Wolhynien in der nordwestlichen Ukraine, denen nach polnischen Angaben über hunderttausend Menschen zum Opfer gefallen waren, einstimmig als Genozid bezeichnet und den 11. Juli zum nationalen Gedenktag erklärt.
Am 11. Juli 1943 waren 150 polnische Ortschaften in Wolhynien von ukrainischen Nationalisten überfallen worden. Die Opfer seien in erster Linie Polen gewesen, verantwortlich, so der Sejm, seien die Nationalistenorganisationen UPA (Ukrainische Aufständische Armee) und OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten).
Gleichzeitig differenziert die Resolution zwischen ukrainischen Nationalisten und dem ukrainischen Volk. Viele Ukrainer hätten unter Einsatz ihres Lebens Polen geschützt, heißt es.
Wladimir Wjatrowitwch, Chef des regierungsnahen Ukrainischen Instituts für nationales Gedächtnis, beschuldigte den Sejm, längst verlorenen Gebieten nachzutrauern, die heute ukrainisches Gebiet seien. Der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des ukrainischen Parlaments warf Polen vor, mit der Resolution alle Bemühungen zur Versöhnung infrage zu stellen. Die Resolution sei provokativ, entstamme der Feder nationalistischer Kräfte in der Republik Polen.
In der Ukraine werden die Täter glorifiziert
Zahlreiche ukrainische Politiker waren in den letzten Monaten in dem sich zuspitzenden Konflikt mit dem polnischen Nachbarn um Ausgleich bemüht. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko legte bei seinem Besuch in Polen am 8. Juli mit einem gebeugten Knie vor einem Denkmal für die Opfer der Massaker in Wolhynien Blumen nieder.
Die ehemaligen ukrainischen Präsidenten Juschtschenko und Krawtschuk, Patriarch Filaret und der Großerzbischof der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Swjatoslaw Schewtschuk, hatten sich Anfang Juni in einem offenen Brief an die polnische Gesellschaft für die Tragödie von Wolhynien entschuldigt.
Doch in der Ukraine werden UPA und OUN weiterhin glorifiziert. In mehreren ukrainischen Städten wurden in den vergangenen zwei Jahren Straßen zu Ehren des Nationalistenführers Roman Schuchewytsch benannt. Schuchewytsch war von 1944 bis 1950 Chef der UPA, dem militärischen Arm der OUN. Jedes Jahr am 14. Oktober gedenken tausende ukrainische Nationalisten mit Märschen der Gründung der UPA.
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