: Genfer Verhandlungen: Abbruch oder Durchbruch?
■ Bosniens Präsident verhandelt zum erstenmal direkt mit Serbenführer Karadžić / Für Unterzeichnung des Abkommens fordert Izetbegović Garantien von der UNO
Genf (taz) — Über den Verlauf der Genfer Friedensverhandlungen waren im Laufe des gestrigen Tages offiziell keine Stellungnahmen zu erhalten. Doch hinter den Kulissen gab es Hinweise auf zwei mögliche Szenarien: Wenn Serbenführer Karadžić bei seiner Ankündigung bleibt, an dem Plan zur Dreiteilung Bosniens keinerlei Veränderungen zugunsten der Muslime mehr zuzulassen, dürften die Verhandlungen ohne Ergebnis abgebrochen werden. Wahrscheinlicher schien gestern allerdings, daß Karadžić wie so oft das klügste Spiel betreibt: er ließ Izetbegović letzte Woche mit dem Dreiteilungsplan nach Sarajevo ziehen, wohl wissend, daß das bosnische Parlament den Präsidenten mit Nachbesserunsforderungen zurück nach Genf schicken wird. Dort, so der Plan, würden die Serben dann ihr letztes „Zugeständnis“ machen: Danach bleibt Izetbegović kein anderer Ausweg, er muß zustimmen. Für diese Version spricht, daß Izetbegović und Karadžić gestern erstmals bilaterale Verhandlungen führten.
Welche Nachbesserungen auf jeden Fall erfüllt werden müssen, damit Izetbegović den Teilungsplan unterschreiben kann, machte der Präsident gestern in einem Gespräch mit Diplomaten klar: eine Landverbindung der bosnisch- muslimischen Teilrepublik zum Adriaort Neum; mehr Land in Ostbosnien sowie die Eingliederung der bisher den Serben zugeschlagenen Stadt Prijedor in die künftige muslimische Teilregion Bihać.
Außerdem besteht Izetbegović auf verbindlichen Zusagen von UNO, Nato und USA für Personal und Finanzen zur Umsetzung eines Abkommens sowie für den Wiederaufbau des zerstörten Landes. Bislang gibt es diese konkreten Zusagen nicht. Und UNO-Generalsekretär Butros Ghali behauptete gestern auf Anfrage der taz, es gebe noch nicht einmal genaue Planungen über den Bedarf. Doch wird nicht mehr ausgeschlossen, daß Ghali und Nato-Generalsekretär Wörner nach ihrer heutigen Genfer Begegnung die Bereitstellung von bis zu 50.000 Soldaten der Nato für diese Aufgabe bekanntgeben werden.
Die 52 Blauhelmsoldaten, die seit Donnerstag in der herzegowinischen Stadt Mostar festgehalten wurden, konnten die Stadt gestern verlassen.
Serbiens Präsident Milošević hat eine Säuberung in der Armee Jugoslawiens durchgesetzt. Danach wurden 42 hohe Offiziere, darunter auch der Generalstabschef Zivito Panić, entlassen. Offiziell wurden die Maßnahmen mit „Umstrukturierungen“ begründet. Beobachter vermuten jedoch, daß Milošević so die Armee schwächen und die Position der Polizei stärken wollte. Andreas Zumach
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