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Gemütlicher Abend des rechten Liedguts

Im brandenburgischen Rüdersdorf tarnten 900 Rechtsradikale Konzert als Gitarrenabend / Polizei eskortierte sie und blieb untätig / Bürgermeister erstattet Anzeige gegen Unbekannt  ■ Von Annette Rogalla

Berlin (taz) – Erneut unter schwere Kritik ist Brandenburgs Innenminister Alwin Ziel (SPD) geraten. Seinen Polizeibeamten wird vorgeworfen, seelenruhig zugesehen zu haben, wie Rechtsradikale in der Kleinstadt Rüdersdorf bei Berlin am vergangenen Samstag ein Konzert abhielten. Der schlesische Troubadix Frank Rennicke hatte zum Konzert geladen und rund 900 Rechte aus der ganzen Bundesrepublik und dem Ausland kamen. Teilweise reisten die kurzhaarigen Männer in Uniform an. Was bereits im Mai als unverfängliches „Gitarrenkonzert“ bei der Leiterin des Kulturhauses angemeldet wurde, erwies sich als Groß-Party der Szene. – Schon Tage zuvor wußte der Staatsschutz von Berlin, daß die ultrarechte „Deutsche Jugend Initiave“ als Veranstalterin des Konzerts firmierte. Eine Organistaion, die seit Jahren Jugendliche rekrutiert. Am vergangenen Donnerstag habe er den Kollegen in Potsdam die Informationen weitergegeben, sagte Eberhard Schulz, Berliner Polizeisprecher zur taz. Zunächst reagierte das Potsdamer Innenministerium rasch. An alle Polizeipräsidien erging die Weisung, das Konzert „im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zu verbieten“.

Ein Teil der Rechten traf sich am Samstag nachmittag unter den Augen der Polizei auf dem Berliner S-Bahnhof Friedrichshagen. „Eingeschritten sind wir nicht“, sagte Schulz, „es lag kein Staftatbestand vor.“ Im brandenburgischen Rüdersdorf eskortierten etwa 100 Beamte die Freunde des rechten Liedguts zum Kulturhaus. Weil keine Störungen bekanntgeworden seien, habe die Polzei keinen Anlaß zum Einschreiten gesehen, erklärte gestern die Polizeidirektion Frankfurt/Oder. Immerhin seien während des Einsatzes rund 100 PKW-Kennzeichen notiert worden.

Eine Aktion, die die Polizisten wohl hoffnungslos überforderte. Denn auf die Hilferufe des Bürgermeisters Wilfried Kroll (SPD) reagierte kein Einsatzleiter. Kroll war im Kulturhaus, als der Liederabend begann. Er sah die uniformierten Neonazis, ihre Bücher über den Zweiten Weltkrieg, er hörte die Lieder des rechten Barden Rennicke. Kurz nach Konzertbeginn rief Kroll bei der zuständigen Polizeidirektion an und teilte seine Beobachtungen mit. Nichts geschah – fünfeinhalb Stunden lang. „Als ich hörte, wie die Rechten zum Abschluß des Konzerts das Deutschlandlied sangen, hätte ich vor Wut heulen können“, sagte Kroll. Gestern erstattete er Anzeige wegen der Untätigkeit der Beamten. Außerdem erstattete der Gemeinderat eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Verwendens von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen. Innenminister Ziel sagte eine rasche Prüfung der Anschuldigungen zu.

Pflichtschuldigst empörten sich gestern alle Brandenburger Oppositionsparteien über den Vorfall.

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