piwik no script img

Geflohener Regisseur PolanskiAbschiebung nach USA rückt näher

Der in der Schweiz in Hausarrest sitzende Roman Polanski könnte in die USA ausgeliefert werden. Denn eine Verurteilung wegen Vergewaltigung kann nicht in Abwesenheit erfolgen.

LOS ANGELES afp | Für den Regisseur Roman Polanski rückt eine Abschiebung in die Vereinigten Staaten näher. Ein US-Berufungsgericht urteilte am Donnerstag, dass der 76-jährige Oscar-Preisträger in seinem mittlerweile mehr als drei Jahrzehnte laufenden Vergewaltigungsverfahren nicht in Abwesenheit verurteilt werden kann. Polanski steht in der Schweiz unter Hausarrest, wo er auf Betreiben der USA verhaftet wurde.

Das kalifornische Gericht wies einen Antrag des Verteidigerteams Polanskis zurück, den Regisseur in Abwesenheit zu verurteilen. Er wollte auf diese Weise einer Abschiebung entgehen. Bereits Ende Januar waren die Anwälte Polanskis mit einem Antrag auf Verurteilung in Abwesenheit gescheitert. Ein Gericht in Los Angeles wies den Antrag ab, Polanski ging in Berufung.

Dem Regisseur wird vorgeworfen, 1977 ein 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Er habe das Mädchen in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und sie dann vergewaltigt. Polanski bekannte sich schuldig. Nach 42 Tage Haft entzog er sich 1978 jedoch der Fortsetzung des Verfahrens, floh ins Ausland und kehrte seither nicht mehr in die USA zurück.

Das US-Berufungsgericht wies am Donnerstag auch einen Antrag von Polanskis Opfer, Samantha Geimer, auf Einstellung des Verfahrens gegen den Regisseur zurück. Geimer bemüht sich seit längerer Zeit erfolglos um eine Beendigung des Verfahrens. Seine Mandantin sehe sich längst als Justizopfer, da ihr Fall gegen ihren Willen weiter verfolgt werde, argumentierte ihr Anwalt Lawrence Silver in einem Schreiben an das Gericht: "Gerechtigkeit ist nicht aus diesem Stoff gemacht." Erst sei sie von Polanski zum Opfer gemacht worden, nun widerfahre ihr dasselbe durch das Justizsystem. Das Gericht antwortete darauf: Geimer sei nicht berechtigt, das Ergebnis eines Strafverfahrens zu diktieren.

Der in Polen geborene Regisseur, der für den Film "Der Pianist" (2002) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, war am 26. September 2009 auf Veranlassung der US-Justiz bei der Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Anfang Dezember wurde er gegen eine Kaution aus der Auslieferungshaft entlassen. Polanski muss eine Fußfessel tragen und steht in seinem Haus in Gstaad unter Arrest.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

0 Kommentare