: Gefahr droht auch durch andere
Gewalt Wichtige Akteure im bewaffneten Konflikt sind neben der Farc die Guerilla ELN, die Paramilitärs und kriminelle Banden
taz | Auch wenn der Waffenstillstand zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc-Guerilla feierlich besiegelt ist, ist ein wirklicher Friede in Kolumbien noch nicht in Sicht. Denn weitere wichtige Akteure in dem bewaffneten Konflikt glänzen in Havanna durch Abwesenheit. Allen voran die Nationale Befreiungsarmee ELN (Ejército de Liberación Nacional) die zweitgrößte Guerilla des Landes, zu der Schätzungen zufolge noch immer rund 3.000 KämpferInnen gehören.
Nachdem sich das Abkommen mit der Farc immer deutlicher abzeichnete, hatte die ELN zwar versucht, mit an den Verhandlungstisch zu kommen. Über Sondierungsgespräche zwischen ihr und der Regierung kamen die beiden Seiten aber nicht hinaus. Wirkliche Verhandlungen hat es bis heute nicht gegeben – offen ist deshalb auch, wie es für die ELN weitergeht.
Außerdem agieren in einigen Landesteilen paramilitärische Einheiten und kriminelle Banden, sogenannte Bacrims (Bandas criminales). Eindeutige Abgrenzungen zwischen den beiden sind selten möglich. Die Paramilitärs waren in den 1980er Jahren von Großgrundbesitzern gegründet worden, um gegen die Guerilla zu kämpfen. Seit 2003 wurden rund 30.000 von ihnen entwaffnet, formierten sich jedoch immer wieder neu. Ihre Einnahmequellen sind Drogenhandel und Schutzgelderpressung.
Die großen Drogenkartelle
Gerade die Bacrim erinnern an die Drogenkartelle, unter denen Kolumbien in den 1980er und 1990er Jahren gelitten hatte und die sich heute aus ehemaligen Paramilitärs rekrutieren. Gegenwärtig geht die kolumbianische Armee verstärkt gegen die Bacrim vor.
An der konkreten Bedrohung durch bewaffnete Auseinandersetzungen wird sich für die davon betroffene Zivilbevölkerung aber vorerst wenig ändern. Im Gegenteil: Da die durch den Waffenstillstand mit der Farc freiwerdenden militärischen Kräfte verstärkt gegen die Bacrim zum Einsatz kommen, ist ein Aufrüsten auf beiden Seiten schon im Gang.
Einen Vorgeschmack darauf liefert die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen der Armee und dem Clan Úsuga in den beiden Provinzen Antioquia und Córdoba. Im April hatte der Clan Úsuga die lokale Bevölkerung zu einem „Streik“ aufgerufen. Obwohl Straßen und Plätze in den wichtigen Orten wie leergefegt wirkten, kamen während dieser Tage mindestens fünf Menschen ums Leben. Jürgen Vogt
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