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Gedenkzug in grüner Uniform

■ Polizeischüler und Gymnasiasten erinnern an 9. 11. 1938

Während heute Politiker auf allen Kanälen den 9. November 1989 beweihräuchern werden, erinnert eine Gruppe Berliner Schüler an ein Ereignis, das sie für bedeutender hält: der „Reichspogromnacht“ vom 9. November 1938. Schüler des Reinickendorfer Gabriele-von-Bülow-Gymnasiums wollen heute nachmittag einen Gedenkzug durch den Bezirk Grunewald unternehmen, der den Weg der Berliner Juden zum Deportationsbahnhof nachzeichnet. Blickfang werden allerdings die rund einhundert Auszubildenden der Landespolizeischule sein, die den Zug in Dienstuniform begleiten. Marcel Maeder, 18 Jahre, Schüler auf dem Reinickendorfer Gymnasium und einer der Organisatoren des Gedenkzuges, gesteht anfängliche Skrupel gegenüber den Mitmarschierenden: „Besonders der militärische Charakter der Uniformen hat einige von uns sehr gestört.“ Dennoch ließen sich die Schüler von den Argumenten der Polizei-Azubis überzeugen: Gerade durch das Tragen der Uniform werde der Öffentlichkeit deutlich, daß sich junge Polizisten gegen Diskriminierung und Rassismus engagieren.

Anstoß für die Veranstaltung gab der Besuch eines unmittelbaren Zeitzeugen an der Schule: Isaak Behar, ein Berliner Jude, dem es gelang, sich vor den Nationalsozialisten versteckt zu halten und so der Deportation zu entgehen, hatte den Schülern von seinen Erlebnissen berichtet. Einige der Schüler entschlossen sich daraufhin, einen Gedenkzug zum Bahnhof Grunewald zu organisieren, von dem aus auch Behars Eltern ins KZ deportiert worden waren.

Beginnen wird der Marsch heute um 16 Uhr am Gedenkstein des 1922 von Rechtsradikalen ermordeten Politikers Walther Rathenau in der Königsallee im Bezirk Grunewald. Am Bahnhof Grunewald wird Isaak Behar für die Versammelten ein jüdisches Totengebet zelebrieren. Sämtliche Schulen sind zur Teilnahme aufgerufen. Noäl Rademacher

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