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Ganz entspannt im Dort und Jetzt

Bhagwan, der indische Guru und Meister zweideutiger Lebensweisheiten, ist tot. Ein Träumer, der Tausenden von Westeuropäern eine neue Lebensphilosophie versprach. Ein erfolgreicher 'Stern'-Redakteur lief über zu Bhagwan und schrieb einen Bestseller, Unternehmer spendeten ihr Vermögen und zogen sich die orangeroten Kleider an, evangelische Pfarrer konvertierten, aus der linken Spontiszene und aus knallharten marxistisch-leninistischen Gruppen der 70er Jahre wechselten viele ins Reich der Lust und Entspannung. In der Halbwüste des US-Staates Oregon entstand eine riesige, blühende Oase, die Kommune Rajnesh-Puram. Auf seiner Suche nach dem radikalen Ausstieg aus der Industriegesellschaft erklärte Rudolf Bahro dieses Experiment damals zum „wichtigsten Ort der Welt“. Schon seit dem vergangenen Juni hielten sich die Gerüchte über den sich verschlechternden Gesundheitszustand, und gestern wurde bekannt: der Guru ist in Poona an Herzversagen gestorben. Auch in den vergangenen Monaten war der Strom der Pilger nicht abgerissen, die sich an den Lebensweisheiten des Gurus labten: „Und das ist das Wunder: Sobald du erkennst, daß es unmöglich ist, ein Zuhause zu schaffen, ist diese ganze Existenz dein Zuhause. Dann bist du überall zu Hause...“

Klaus Wolschner