: Galla-Vertreter verwaltet Uni
■ Universität holte sich den Personalchef der St.-Jürgen-Klinik und Stellvertreter Gallas, Reinhard Tonke / Gegenkandidatin mußte Bewerbung zurückziehen
Preisfrage: Wie findet der Stellvertreter von Ex-St.-Jürgen -Verwaltungs-Chef Aribert Galla in der Universität einen neuen Job? Antwort eins: Indem er sich bewirbt. Antwort zwei: Indem aussichtsreichen MitberwerberInnen höheren Orts nahegelegt wird, ihre Bewerbungen zurückzuziehen.
Nach 10 langen Jahren in der St.-Jürgen-Klinik wechselte Personalchef, Galla-Vertreter und zweifacher Zeuge vor dem Untersuchungsausschuß Reinhard Tonke jetzt in die Personalabteilung der Bremer Universität. Mit dem beruflichen Tapetenwechsel verbunden: Ein beruflicher Abstieg. Tonke tauschte seine bisherigen Personalchef-Sessel (Besoldungsstufe A13) gegen den eines stellvertretenden Uni -Personaldezernenten (A12). Ungewöhnlich an Tonkes Einstel
lungsverfahren ist aber nicht nur der in Kauf Karriereleiter -Rückschritt. Darüberhinaus ging Tonke auch ohne qualifizierte Gegenkandidatin auf die letzten Meter des Rennens. Nachdem er und die einzige aussichtsreiche Gegenkandidatin noch vor der offiziellen Vorstellungsrunde zu Einzelgesprächen bei Uni-Kanzler Wilken geladen waren, wurde Gegenkandidatin Lamping „mit hochrotem Kopf“ aus dem Kanzler-Dienstzimmer kommend gesehen. Bei den anschließenden Vorstellungsgesprächen gab es nur noch einen Kandidaten: Tonke. Kandidatin Lamping hatte ihre Bewerbung direkt nach dem Kanzler-Gespräch zurückgezogen. Notgedrungeen wurde Tonke gewählt, zähneknirschend - da plötzlich alternativlos
-stimmte der Uni-Personalrat zu. Nachträgliche Vorstöße bei der
Unileitung, die Stelle neu auszuschreiben, stießen dort auf taube Ohren.
Über die Hintergründe läßt sich nur spekulieren: Möglicherweise handelte Uni-Kanzler Wilken auf massive Zaunpfahlwinke aus der SKP, als er der Hausbewerberin Lamping die Rücknahme ihrer Bewerbung nahelegte. Immerhin hat Tonke 11 Jahre lang in der SKP gearbeitet, bevor er auf Gallas Stellvertreterposten wechselte. Über seine dortigen Aufgaben und die Machenschaften seines Chefs Galla wußte Tonke dem Untersuchungsausschuß z.B. folgendes zu berichten: Von kriminellen Machenschaften Gallas habe er zwar nie etwas mitbekommen, aber von den in der Klinik geführten grauen „Tüten„-Kassen, in denen Galla Zuwendungen des Pharmaunternhemens Fresenius an
der offiziellen Buchführung vorbeischmuggelte, wußte auch Tonke. In Gallas Auftrag verwahrte er die Fresenius-Schecks sogar in einem Briefkuvert und bezahlte daraus „Sonderinvestitionen“ des Krankenhauses, die in keinem offiziellen Beschaffungsplan auftauchten. Auch über die undurchsichtige Verwendung von Erlösen aus der Silberrückgewinnung bei der Wiederaufbereitung von Röntgenfilmen war Tonke bestens informiert. Auch sie tauchen nicht in den Büchern des Krankenshauses auf. Stattdessen zahlte die Aufarbeitungs-Firma direkt und an allen gültigen Investitionsplänen vorbei an Lieferanten des Krankenhauses. Wegen beider Fälle läuft ein Diszplinarverfahren gegen den heutigen „stellvertretenden Uni-Personaldezernenten“ Reinhard Tonke.
K.S.
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