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GM wird Tochter losLuxusflitzerschmiede kauft Saab

Die 40-Mann-Sportwagenfirma Koenigsegg übernimmt die schwedische Tochter von General Motors. Saab braucht 1 Milliarde Euor, um bis 2011 überleben zu können.

Genau auf den Kunden zugeschnitten: Eines der eher seltenen Produkte aus dem Hause Koenigsegg. Bild: dpa

STOCKHOLM tazDavid kauft Goliath: Am Dienstag hat General Motors Europe bestätigt, dass die kleine Sportwagenfirma Koenigsegg die schwedische GM-Tochter Saab kaufen wird. Saab mit seinen 4.000 Beschäftigten und einer Produktionskapazität von jährlich 150.000 Pkws kommt damit in die Regie einer schwedischen Minifirma, deren 40 Angestellte in den letzten 15 Jahren 72 Autos zusammengeschraubt haben. In die merkwürdige Ehe bringt Koenigsegg zumindest eine Gemeinsamkeit mit Saab mit: Man produzierte bislang vor allem Verluste.

Einzelheiten des Geschäfts, das endgültig im dritten Quartal über die Bühne gehen soll, sind noch unbekannt. Saab braucht 1 Milliarde Euro, um bis 2011 überleben zu können. Und die Regierung in Stockholm hat eine staatliche Bürgschaft für einen 500-Millionen-Euro-Kredit der Europäischen Investitionsbank zugesagt. Für eine Übergangszeit will GM - was Motoren, Getriebe und technische Plattformen angeht - weiterhin mit Saab zusammenarbeiten. Neben Koenigsegg und seinem norwegischen Designer und Großaktionär Bård Eker sollen angeblich kapitalstarke Investoren aus Norwegen und den USA hinter dem Deal stehen.

Angestellte und Gewerkschaften zeigten sich zufrieden. Sie haben auch keine Wahl. Anders als Opel musste Saab bereits im Februar Konkurs anmelden, nachdem GM den Geldhahn zugedreht hatte. Ein Kaufinteressent gibt jetzt zumindest die Chance für eine Rekonstruktion. Doch soll die gelingen, wäre die Voraussetzung ein zukunftsträchtiges Konzept für Saab.

Eva Ossiansson, Ökonomie-Professorin an der Handelshochschule Göteborg, spricht von einer "spannenden Mischung". Saab sei daran kaputtgegangen, dass sein einst spezielles Image unter GM völlig austauschbar geworden sei. Ein Stück vom alten Renommee könne die Marke nun zurückgewinnen. Koenigsegg, ein Kleinproduzent extrem schneller Sportwagen, deren Preislisten bei 650.000 Euro beginnen und die vor allem durch preisgekröntes Design auffallen, bediene zwar einen ganz anderen Käuferkreis, könne dem Warenzeichen Saab aber einen neuen Kick geben.

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