GASTKOMMENTAR: Flucht in die Regierung
■ Zweite Wahl in Baden-Württemberg: Eine Koalition der Verlierer
Der massimo realismo der Rezzo Teufel und Ernst Schlauch verkehrt sich in den minimo pratiscismo der Dieter Teufel und Ernst Spöri. Die rechtskonservativen Fundis um die Mayer-Vorfelders und die linksalternativen Fundi- Sprengel in der grünen Basis Baden-Württembergs können zueinander nicht finden, aus Angst vor Identitätsverlust. Noch nix mit Regierungsmacht für Kuhn &Co. Brückenbauers zweite Wahl soll jetzt die SPD werden. Kann sie? Muß sie wollen, oder will sie müssen? Große Koalitionen sind große Vermittlungsausschüsse. Sind sie auch große Beweger? Konflikte im Ländle brauchen nicht konstruiert zu werden: der Reformstau ist unübersehbar. Wer mit der Beteiligung an der Landesregierung die Strukturen von zähklebrigem Filz und selbstgefälliger Erstarrung auflösen will, der hätte schon Felder der Betätigung. Nur: Hat eine Koalition der schwarz-roten Verlierer Kraft genug, eine Atmosphäre der Veränderung zu kreieren? Den „wind of change“, von dem die baden-württembergische SPD hoffte, er könne sie am Wahltag beflügeln, den braucht sie zunächst selbst. Verantwortung in der Demokratie heißt, erst recht nach der Quittung für die beiden Volksparteien, zunächst kathartische Reinigung. Eine Flucht in die Regierung, wäre das nicht eine Flucht vor sich selbst?
Gert Weisskirchen
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