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Für die Nachbarn paßt es ins Bild

■ Lübecker kennen verhaftete Jugendliche als „rechte Spinner“

Der untersetzte Mann mit schütterem Haar will seinen Sohn nicht mehr kennen: „Nee, hier wohnt kein Boris H. und Niko T. auch nicht“, sagt der Vater eines der vier wegen des Brandanschlags verhafteten Jugendlichen, kurz bevor er am Montag abend die Wohnungstür in der Lübecker Korvettenstraße zuschlägt.

Die Nachbarn wissen es besser: „Klar kenn' ich den Niko, das ist so ein rechter Spinner. Der hat auch schon mal meinen Freund verdroschen. Vor kurzem hat er sich eine Glatze schneiden lassen“, erzählt die 18jährige Schülerin Katja, die im vierstöckigen Wohnhaus genau gegenüber der Wohnung von Boris' Eltern wohnt. „Ich glaube, Niko war zu Hause rausgeworfen worden, deshalb hat er mal eine Weile bei Boris mit gewohnt“, sagt Katja. Der etwa 1,65 Meter große Boris sei „eher normal rumgelaufen, mit Jeans und so“. Dem etwa 1,80 Meter großen Niko habe man dagegen „sofort angesehen, daß er ein Skin ist“: Springerstiefel, weiße Schnürsenkel und eine Bomberjacke habe er meistens angehabt, sagt die Schülerin.

Die 15jährige Freundin des 19jährigen Niko, die zuletzt mit dem Verhafteten in einer Sozialwohnung in der Schützenstraße 45a gewohnt hatte, will es nach den Worten ihrer Mutter „einfach nicht wahrhaben“, daß ihr Freund „so etwas gemacht hat“. Nach der Verhaftung am Donnerstag sei Nina ebenfalls verhört worden, erzählt ihre Mutter traurig. Die 36jährige Raumpflegerin war mit der Beziehung ihrer ältesten Tochter zu dem „Typen aus der rechten Clique“ nie einverstanden. „Welche Mutter freut sich schon über so einen Kerl“, sagt sie bitter. „Für Nina ist das das Beste, was passieren konnte, daß Niko verhaftet wurde.“

Am Telefon habe ihre Tochter „heute fast nur geheult“. Den Skinhead kannte die 36jährige als „ruhigen, unauffälligen Typen, dem sie so etwas nie zugetraut“ hätte. „Diesen Anschlag hat der bestimmt nur gemacht, weil er besoffen war. Sonst hätte der doch gar nicht den Mut dazu gehabt“, vermutet sie. „Ich hätte nicht gedacht, daß der überhaupt weiß, was eine Synagoge ist. Das war eher so ein Mitläufertyp wie der Boris“, meint sie.

Katja und ihre Freundinnen sehen das anders. „Doch, das paßt schon ins Bild“, meint die 16jährige Tanja. „Die hatten immer ein ziemlich großes Maul, besonders wenn die was gesoffen hatten.“ Sie zeigt auf ein Brett für Hausmitteilungen am Eingang des rot verklinkerten Hauses in der Korvettenstraße. „Hass“ steht dort mit einem schwarzen Stift hingeschmiert. Die Buchstaben „ss“ erinnern an die Runen der Schutzstaffel des Naziregimes. Wolfgang Büchner (AP), Lübeck

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