Kommentar: Fremdes nur hübsch
■ Sommertheater ohne Entdeckungen – wofür werden die Leiter bezahlt?
Nicht bloß zufrieden, sondern stolz zeigten sich die Macher des 14. Internationalen Sommertheater-Festivals auf Kampnagel, Gabriele Naumann und Dieter Jaenicke, bei der Abschlußpressekonferenz. Und die Veranstalter wissen ihren Stolz zu begründen: Trotz Hitze, trotz Parkplatznot und trotz des unwirtlichen Geländeumbaus hätten viel mehr Menschen als erwartet den Weg zu Kampnagel gefunden. Der neue Gastronom wurde gelobt, auch der kommunikative Bereich unter Zeltplanen. Die Besucher seien zu einem wesentlichen Teil gekommen, „um das Drumherum zu genießen“.
Eine Menge Gründe. Schade nur, daß sich kein einziger auf die Kunst bezieht.
Verwunderlich ist das aber auch nicht, denn das Programm war ähnlich kulinarisch zu genießen wie das „Drumherum“.
„Über Grenzen tanzen“(Motto des Festivals) zeigte Fremdes vor allem hübsch. Provokationen gab es keine. Das Festival, das sich so gerne als Avantgarde- und Entdeckerfestival darstellt, hat keinerlei Entdeckungen präsentiert. Keine Compagnie kam aus dem Hinterhof, alle waren bereits vorher durch beachtliche Tourneen bekannt gewesen.
Und die phänomenale Auslastung von 90 Prozent relativiert sich angesichts der geringen Anzahl von Veranstaltungen: 40 Performances dieses Jahr stehen 87 im Jahr 1987 oder 127 im Jahr 1992 gegenüber.
Warum für ein Festival mit ganzen acht Produktionen im Hauptprogramm zwei künstlerische Leiter rund ums Jahr bezahlt werden, wurde durch das sichtbare Ergebnis ihrer Arbeit nicht plausibel.
Christiane Kühl
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