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Franziska Seyboldt PsychoWir sind allezerknitterte50-Euro-Scheine

Ich: Du, Psycho, wir müssen reden.

Psycho: Mhm ja, is klar. Drei Wochen lang höre ich gar nichts von dir, aber dann hast du auf einmal Gesprächsbedarf. Das wird langsam pathologisch, merkste selbst, ne?

Ich: Ja. Deshalb will ich ja reden.

Psycho: Brauchst du Themenvorschläge? Ich hätte einen: Wer sich nicht regelmäßig bei seinen Freunden meldet, stirbt einsam und allein und wird von seiner Katze gefressen.

Ich: Okay, ist angekommen. Entschuldige.

Psycho: Schon vergessen. Gläschen Wein vielleicht?

Ich: Nee lass mal, dann kann ich nicht mehr geradeaus denken.

Psycho: Auch ein gutes Thema übrigens: Dinge, die man sagt, wenn man betrunken ist, und die man am nächsten Tag nicht mehr weiß.

Ich: Ach komm, gib her, das Glas. Und bevor du jetzt noch mehr Themenvorschläge machst, sag ich einfach, was los ist: Wir müssen uns trennen.

Psycho: Warte mal, machst du etwa gerade mit mir Schluss?

Ich: Ja, aber es liegt nicht an dir, es liegt an mir.

Psycho: Boah. Dass du dich traust, mit dem Spruch um die Ecke zu kommen.

Ich: Ist aber ernst gemeint. Ich finde dich ganz toll, wirklich, und ich hatte noch so viel mit dir vor. Aber ich kann nicht immer nur gegen Stigmatisierung kämpfen, mir tut schon der Zeigefinger weh vom ständigen Hochheben. Und mit dir Spaß haben ist irgendwie schwierig in letzter Zeit. Ich wär einfach gern wieder lockerer.

Psycho: Dann geh zur Massage. Hallo, niemand gibt mich einfach so auf! Ich bin der Star auf jeder Party, und du hast schließlich sonst keine prominenten Freunde. Was bist du überhaupt noch wert ohne mich?

Ich: Das habe ich meinen Therapeuten heute morgen auch gefragt. Und es stellte sich raus: 50 Euro.

Psycho: Okay, du bist verrückt geworden.

Ich: Gerade du solltest eigentlich wissen, dass man das nicht sagt. Viel zu pauschalisierend.

Psycho: Achtung, Zeigefinger.

Ich: Verdammt.

Psycho: Was ist denn jetzt mit den 50 Euro?

Ich: Also, hier habe ich einen 50-Euro-Schein.

Psycho: Gib!

Ich: Warte. Schau, jetzt zerknülle ich ihn und trete mit meinen schmutzigen Schuhen drauf.

Die Fünftage­vorschau

Do., 15. 8.

Jürn Kruse

Nach Geburt

Fr., 16. 8.

Michelle Demishevich

Lost in Trans*lation

Mo., 19. 8.

Kefah Ali Deeb

Nachbarn

Di., 20. 8.

Sonja Vogel

German Angst

Mi., 21. 8.

Michael Brake

Nullen und Einsen

kolumne@taz.de

Psycho: Was machst du da? Gib den Schein her, der ist wertvoll.

Ich: Aha, und wie wertvoll?

Psycho: Na, steht doch drauf: 50 Euro.

Ich: Der Schein behält also seinen Wert, egal, was ihm widerfährt?

Psycho: Klar.

Ich: Ich bin der 50-Euro-Schein. Du auch. Wir sind alle 50-Euro-Scheine. Verstehst du?

Psycho: Hurra, wir sind reich!

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