: Flugzeugabsturz am Bodensee
71 Tote nach Kollision eines russischen Passagierflugzeugs mit einer Frachtmaschine. Ursache: gleichzeitiger Sinkflug
OWINGEN rtr/dpa/taz ■ Bei einem der schwersten Flugzeugunglücke in Deutschland sind in der Nacht zum Dienstag vermutlich alle 71 Insassen der beiden Maschinen ums Leben gekommen. Kurz vor Mitternacht stießen über dem deutschen Bodenseeufer nahe Überlingen eine russische Chartermaschine des Typs Tupolew 154 und eine Boeing 757 des Paketdienstes DHL in 11.300 Meter Höhe zusammen. An Bord der Chartermaschine befanden sich 69 Menschen, darunter 52 Jugendliche. In der Frachtmaschine starben der britische Pilot und der kanadische Kopilot.
Als Ursache für den Zusammenprall gilt die zeitgleiche Verringerung der Flughöhe. Wem der Fehler zuzuschreiben ist, ist jedoch unklar. Laut Toni Maag, dem Leiter,der zum Zeitpunktdes Unglücks führenden Züricher Flugsicherung, war die Situation bis unmittelbar vor der Kollision völlig normal. Die Tupolew der Bashkirian Airlines war mit einer Reisegruppe von Moskau über Genf nach Barcelona unterwegs, die DHL-Boeing kam von Bahrein und flog über Norditalien Richtung Brüssel. Für den Kreuzungsvorgang wollte der Lotse die russische Maschine auf eine tiefere Ebene holen, doch die ersten beiden Anweisungen zum Sinkflug blieben ohne Reaktion. Erst auf die dritte Aufforderung habe der Pilot der Tupolew reagiert. Nach Rundfunkberichten sprach Maag von einem Zeitraum von etwa einer Minute, der zwischen dem Hinweis des Lotsen, dass die Maschinen auf gleicher Höhe seien, und dem Unglück gelegen habe. Flugexperten hatten darauf verwiesen, dass der Lotse mehr als zehn Minuten vorher Kenntnis von der Gefahrensituation gehabt habe. Gefragt wurde auch, warum der Pilot der Frachtmaschine nicht gewarnt wurde.
inland SEITE 7
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen