Flughafen Berlin Brandenburg

Der Zeitplan ist schon überholt

Der Aufsichtsrat berät an diesem Freitag über den BER. Ob er über die Teileröffnung entscheiden wird, ist ebenso offen wie die künftige Leitung des Gremiums.

Matthias Platzeck (r.) muss auf diese Gesellschaft wohl bald verzichten: Hartmut Mehdorn (l.) und Klaus Wowereit. Bild: dpa

BERLIN taz | Ob Klaus Wowereit (SPD) und Hartmut Mehdorn im vergangenen Mai wussten, wann in diesem Jahr offiziell der Herbst beginnt? Am 30. Mai sagte Berlins Regierender Bürgermeister jedenfalls im Abgeordnetenhaus, Flughafenchef Mehdorn werde „im Spätsommer, Anfang Herbst“ (8080/starweb/adis/citat/VT/17/PlenarPr/p17-032-wp.pdf:PDF, Seite 31) ein geschlossenes Konzept für die Eröffnung des BER vorlegen. Der Herbst beginnt am 22. September. Läge bis dahin besagtes Konzept vor, wäre das mehr als eine Überraschung.

Denn an diesem Freitag berät der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft erst einmal über die Teilinbetriebnahme des BER. Die hatte Mehdorn im Mai ebenso für den Herbst angepeilt; dass daraus nichts wird, ist aber längst sicher. Denn drei bis sechs Monate würde es dauern, einen dafür nötigen Genehmigungsantrag zu bearbeiten, erklärt eine Sprecherin der zuständigen Brandenburger Genehmigungsbehörde, der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald, auf taz-Anfrage. Bisher sei kein entsprechender Antrag eingegangen.

Zuerst muss ohnehin der Aufsichtsrat sein Placet für das geben, was Mehdorn laut Medienberichten nun bis zum kommenden Frühjahr vorhat: eine Aufrüstung des BER-Nordpiers für knapp 6 Millionen Euro, um dann von dort aus drei Maschinen mit insgesamt bis zu 380 Passagieren täglich starten zu lassen. Was der Manager damit bezweckt, hat er schon bei mehreren Auftritten erklärt: Mitarbeiter und für die Inbetriebnahme wichtige Firmen soll motivieren, dass nun doch endlich etwas vorangeht, dass tatsächlich Flugzeuge vom BER abheben.

Die vollständige Eröffnung des Hauptstadtflughafens könnte nach Bild-Informationen mindestens bis Sommer 2015 dauern. Das Blatt beruft sich auf einen Siemens-Bericht zur Brandschutzanlage. Demnach dürften die notwendigen Bauarbeiten frühestens im März 2015 abgeschlossen sein. Anschließend würden weitere vier Monate mit Bauabnahmen und Probebetrieb ins Land gehen, so dass eine vollständige BER-Eröffnung unter optimalen Bedingungen am „31. Juli 2015“ möglich sei, so die Zeitung.

Flughafensprecher Ralf Kunkel wies den Bericht als „reine Spekulation“ zurück. „Wir sind derzeit in Verhandlungen mit den Firmen zur Lösung der Brandschutzprobleme. Hier sind aber noch keine Entscheidungen getroffen“, sagte er am Freitag. Es bleibe bei dem verabredeten Zeitplan, wonach bei der Aufsichtsratssitzung im Oktober über den Zeitplan für die Eröffnung entschieden werden solle. (dpa)

Vor allem aber will er mit dem Teilstart das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme unter echten Betriebsbedingungen testen – Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung etwa, vor allem die IT-Netze, an denen es bisher ebenso hakt wie an der Brandschutzanlage.

Vertagung ist möglich

Doch an Sinn und Machbarkeit von Mehdorns Plänen gibt es große Zweifel. Vertreter der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald haben ihre Bedenken schon mehrmals öffentlich geäußert. Und dass Mehdorns Geschäftsführungskollege, Technikchef Horst Amann, ein ganz anderes Prozedere vorschwebt, ist inzwischen allgemein bekannt. Amann will lieber den gesamten Betrieb des alten Schönefelder Flughafens im kommenden Jahr an den BER verlagern.

„In der kommenden Aufsichtsratssitzung wird sich zunächst der Aufsichtsrat eine Meinung zu dem Thema bilden“, versprach Wowereit noch vor knapp sechs Wochen in Sachen Teilinbetriebnahme (8080/starweb/adis/citat/VT/17/KlAnfr/ka17-12328.pdf:PDF), in der Sitzung an diesem Freitag werde die Geschäftsführung die Ergebnisse ihrer Analyse dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorstellen.

Doch inzwischen ist zu vernehmen, dass eine Vertagung der Entscheidung in den Oktober durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Mehdorns Anfang Mai präsentiertes BER-Beschleunigungsprojekt „Sprint“ (Sachstandsbericht, PDF) geriete allmählich zur Karikatur.

Offen ist zudem, was nach dem Rückzug von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zum 28. August mit dessen Sitz im Aufsichtsrat geschieht. Sein Nachfolger an der Landesspitze, Dietmar Woidke (SPD), wird ihn nicht übernehmen, hat aber „mehr Sachverstand“ für das Gremium angekündigt. Darunter ließe sich Flughafen-Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) ebenso verstehen wie ein externer Fachmann, etwa der hoch gehandelte Hans-Peter Keitel, bis Ende 2012 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, derzeit noch einer von dessen Vizepräsidenten. Wowereit als Dauerlösung an der Spitze könnte wohl nur eine Verpflichtung vom Formate Keitels verhindern.

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