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Flaute im Iran-Geschäft

■ Der sinkende Ölpreis macht Teherans Staatskasse schwer zu schaffen

Berlin (taz) – Die Stimmung unter den deutschen Geschäftsleuten auf der letzten Internationalen Teheran-Messe im Oktober war schlecht. Anstatt teure Demonstrationsobjekte in die islamische Republik mitzubringen, hatten die meisten Aussteller nur Hochglanzprospekte im Gepäck. Anders als in den Jahren zuvor konnten die Geschäftsleute nicht mehr damit rechnen, daß ihnen ihre Werkzeugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Chemieanlagen usw. schon während der Verkaufsausstellung abgekauft würden. Irans Wirtschaft, Deutschlands Handelspartner Nummer eins im Nahen und Mittleren Osten, liegt darnieder. Schuld an der Misere ist vor allem der Preisverfall beim Erdöl.

Dabei hatte alles so schön angefangen. Nachdem der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher als erster westlicher Politiker 1984 Iran nach der islamischen Revolution besuchte, begannen die Geschäfte aufzublühen. Während des iranisch-irakischen Krieges massakrierten sich beide Seiten mit Schießkram made in Germany. Nach Kriegsende im Jahr 1988 waren deutsche Unternehmen beim Wiederaufbau – nicht zuletzt des Militärapparats – in erster Reihe dabei.

Aber die Geschäfte überschritten 1992 mit Exporten im Wert von acht Milliarden Mark ihren Zenit. Im letzten Jahr verkauften deutsche Unternehmer für weniger als die Hälfte Produkte nach Teheran, und laut Prognosen wird die Kurve weiter fallen. Durch die Flaute hängen Geschäfte der Crème de la crème der deutschen Wirtschaft in der Luft. Der Mannheimer Anlagenbauer Asean Brown Boveri (ABB) sollte eigentlich die Elektronik für ein Wasserkraftwerk und ein Gasturbinenwerk liefern. Bei Krupp macht man sich Sorgen, weil die iranische Regierung 25 Prozent der Aktien der deutschen Traditionswaffenschmiede hält. Siemens-Manager kalkulieren mit gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent gesunkenen Aufträgen Irans. Um die Elektronikspezialisten weiterhin bei der Stange zu halten, machte in der vergangenen Woche das Mitglied des Obersten Nationalen Sicherheitsrates Irans, Laridschani, im Firmenhauptquartier Station.

Als Kreditgeber haben die Teheraner Herrscher die Bundesregierung im Blick. Seit Genschers erstem Besuch pflegt man in Bonn die Beziehungen zum Iran, um in der Region ein ganz eigenes außenpolitisches Spielbein zu haben. Hermes-Kredite der Bundesregierung decken mittlerweile ausstehende Zahlungen Irans in Höhe von 1,8 Milliarden Mark, Tendenz steigend. Insgesamt soll das vom Bund gesicherte Geschäftsvolumen mit Iran 14 Milliarden Mark betragen. Thomas Dreger

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