Finnland gegen Deutschland: Klose kann dreimal ausgleichen

Abwehrpannen und eine überraschend starke finnische Mannschaft brachten das DFB-Team dreimal in Rückstand. Und ausgerechnet Miroslav Klose schießt dreimal nacheinander den Ausgleich.

Trifft wieder: Miro Klose. Bild: reuters

HELSINKI dpa/taz Das trifft man wochenlang das Tor nicht, selbst wenn es schwieriger ist vorbei zu schießen. Und dann sind es plötzlich drei Tore in einem Spiel. Miroslav Klose ist das passiert. Am Mittwochabend in Helsinki. Und es lässt für ihn hoffen, dass Klose damit seine Torflaute auch im Verein endlich abhaken kann.

Auffällig an diesem Abend in der WM-Qualifikation waren allerdings auch die Pannen in der Abwehr, vor allem bei Heiko Westermann, durch die die gut aufspielenden Finnen überhaupt erst so richtig in Fahrt und dreimal in Führung kamen. Jonatan Johansson (33.), Mika Väyrynen (43.) und Daniel Sjölund (53.) hatten diese Pannen in der deutschen Defensive jeweils ausnutzen können.

Klose konnte zweimal praktisch im Gegenzug ausgleichen. Erst das 3:3 dauerte deutlich länger: Es fiel in der 83. Minute. Danach hätte gut noch das Siegtor für die Deutschen fallen können, die in einem fort, vor allem über Helmes rechts außen auf das Tor der Finnen anrannten.

Nach dem Verlust der schon sicher geglaubten Punkte in Helsinki steht die Elf von Jogi Löw nun gegen Russland unter Druck. Am 11. Oktober kommt die Überraschungsmannschaft der EM nach Dortmund. Immerhin: Auch die Russen taten sich am Mittwoch schwer, siegten mühevoll 2:1 gegen Wales.

"Wir haben gute Moral bewiesen und sofort jeden Rückstand wettgemacht", bilanzierte Löw. "Aber wenn man 3:3 spielt, hat nicht alles geklappt" Ein Sonderlob hatte er dagegen für Klose (und indirekt für sich) parat: "Der Miro hat heute klasse gespielt. Vertrauen zahlt sich im Leben aus."

Doch die neue Abwehr bestand ihre internationale Feuertaufe nicht. Westermann und Serdar Tasci ließen sich bei den vielen hohen Bällen der Finnen regelmäßig düpieren und stürzten damit auch Enke immer wieder in Verlegenheit. Da auch Philipp Lahm in seinem 50. Länderspiel weit von der Bestform entfernt war, bekamen die Finnen immer wieder zu viel Raum in der deutschen Hälfte. So gab es drei Gegentore, was es unter Löw bislang nur einmal gegeben hatte - beim 0:3 gegen Tsachechien.

Immerhin bewies Klose, der erneut den fehlenden Michael Ballack als Kapitän vertrat, nach schwachem Beginn im entscheidenden Moment lange vermisste Nervenstärke. Mit nun insgesamt 44 Treffern bei 84 Einsätzen im Nationaltrikot zog Klose in der DFB-Bestenliste an Fußball-Idol Uwe Seeler vorbei.

Dagegen konnte die gegen Liechtenstein überragende linke Flügelzange mit Piotr Trochowski und Lukas Podolski dem deutschen Spiel diesmal keine Impulse geben. Vor allem Podolski fand trotz aller Laufbereitschaft überhaupt nicht in die Partie.

Auf defensive Gastgeber hatte sich die deutsche Mannschaft eingestellt und wurde überrascht, denn die Finnen zeigten sich zunächst ausgesprochen angriffslustig. In der 3. Minute ließ Johansson Verteidiger Lahm wie einen Anfänger stehen, fand aber keinen Abnehmer für seine scharfe Hereingabe.

Die sichtlich beeindruckte deutsche Mannschaft beschwor durch einen 25 Meter-Freistoß von Trochowski (10.) erstmals Gefahr vor dem Tor von Jussi Jääskeläinen herauf. Zwei Minuten später hatte Simon Rolfes die Führung auf dem Fuß, als er sich nach Thomas Hitzlspergers Zuspiel gegen Sami Hyypiä durchsetzte und knapp vorbeischoss.

Zwölf Minuten vor dem Pausenpfiff geriet die deutsche Elf durch einen dicken Patzer dann in Rückstand. Westermann verfehlte eine hohe Flanke von Roman Eremenko und irritierte damit Lahm, der Johansson nicht mehr auf dem Weg zum 1:0 stoppen konnte.

In der 37. Minute nahm Klose ein Zuspiel von Trochowski mit der Brust auf, lief noch ein paar Schritte und ließ Jääskeläinen im Tor der Gastgeber keine Abwehrchance.

In der Schlussphase der ersten 45 Minuten überschlugen sich auf dem holprigen Geläuf des Olympiastadion die Ereignisse. Zunächst konnte Westermann Väyrynen nicht am Torschuss hindern, der eine Flanke des überragenden Johansson volley und unhaltbar für Enke im deutschen Tor unterbrachte. Doch Klose stellte zwei Minuten später wieder den Gleichstand her. Nach Hitzlsperger-Ecke konnte Finnlands Schlussmann zwar den Kopfball von Klose klasse parieren, nicht aber den Nachschuss.

Individuelle Schnitzer sorgten auch im zweiten Durchgang immer wieder für Gefahr vor Enke, der in der 52. Minute mit einem guten Reflex gegen Johansson rettete. Doch wenig später war auch der Hannoveraner machtlos, als sich niemand in der Deckung für den eingewechselten Sjölund zuständig führte, der eine Väyrynen-Flanke unbedrängt zum 3:2 versenkte. Erst eine erneute Blitzreaktion von Klose sieben Minuten vor Schluss führte zum Endstand von 3:3.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de