Finale in der Baseball-Liga MLB: Geld gegen Ideen

Die reichen Los Angeles Dodgers wollen unbedingt die Major League Baseball gewinnen. Im Finale treffen sie auf Tampa Bay – ein ungleiches Duell.

Ein Pitcher reißt auf dem Wurfhügel seine Arme in die Höhe

Aber jetzt! Julio Urias, Pichter der Los Angeles Dodgers freut sich über den Finaleinzug Foto: David J. Philip/ap

BERLIN taz | Manchmal kann Erfolg ganz schön schmerzhaft sein. Cody Bellinger hatte gerade den Homerun geschlagen, der das Spiel entscheiden sollte, da lag er auch schon auf dem Krankenbett. Beim Jubeln hatte er sich die rechte Schulter ausgekugelt, nun musste er sie wiedereinrenken lassen. Das funktionierte anscheinend ganz gut: Keine Stunde nach dem Schultermalheur fing ausgerechnet der wiederhergestellte Bellinger den letzten langen Ball und trug ein denkbar breites Lächeln vor die Fernsehkameras. Schließlich hatten er und die Los Angeles Dodgers die World Series erreicht.

Der Weg dahin, ins Endspiel der seltsamsten Baseball-Saison aller Zeiten, war allerdings sehr viel schwerer, als es sich die hochfavorisierten Dodgers vorgestellt hatten. Im Halbfinale gegen die Atlanta Braves lagen sie schon mit 1:3 Siegen zurück, bevor sie drei Spiele in Folge gewinnen konnten – das siebte und entscheidende dank Cody Bellingers Homerun.

Nun stehen die Dodgers in der World Series. Das erste von bis zu sieben Spielen gegen die Tampa Bay Rays findet in der Nacht auf Mittwoch statt. Es ist der dritte Auftritt für Los Angeles auf der ganz großen Bühne innerhalb von vier Jahren. Von Routine kann man trotzdem nicht sprechen, denn nach einer wegen der Covid-19-Pandemie stark verkürzten Saison, die einige Male nach Virusausbrüchen bei verschiedenen Teams vor dem Abbruch stand, treffen sich die beiden Mannschaften in einer Antivirusblase im texanischen Arlington, um den Meister zu ermitteln.

Nur 60 Spiele waren diesmal in der regulären Saison angesetzt. Ein Spurt verglichen mit dem 162-Spiele-Marathon, aus dem eine Baseball-Spielzeit gewöhnlich besteht. Trotzdem treffen mit den Dodgers und Rays nun die beiden Teams aufeinander, die während dieser von Baseball-Puristen belächelten Saison den souveränsten Eindruck hinterlassen und die meisten Siege gesammelt haben. Damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Mannschaften aber auch schon auf.

Tradition gegen Retorte

Wollte man eine Analogie aus dem Fußball suchen, dann wäre es, als träfe der FC Barcelona im Champions-League-Endspiel auf Hoffenheim. Auf der einen Seite der stinkreiche Traditionsverein aus der Weltstadt, auf der anderen der innovative Retortenklub aus der Provinz. Die Geschichte der Dodgers beginnt in Brooklyn im Jahre 1883, den bislang letzten von insgesamt sechs World-Series-Erfolgen feierten sie im Jahr 1988.

Erst zehn Jahre später, 1998 wird im Rentnerparadies Tampa Bay zum ersten Mal Major-League-Baseball gespielt. Die Dodgers zahlen ihren Profis mehr als 100 Millionen Dollar pro Jahr, nur die New York Yankees lassen sich ihre Mannschaft mehr kosten. Das Budget der Rays beträgt dagegen 28,6 Millionen – von den 30 MLB-Teams geben nur drei noch weniger für Spielergehälter aus.

Der stinkreiche Traditionsverein trifft auf den innovativen Retortenklub

Seit Jahren versuchen die Dodgers mit viel Geld an alte Erfolge anzuknüpfen. Das stargespickte Team sammelt auch haufenweise Siege, aber der ganz große Wurf will einfach nicht gelingen. 2017 und 2018 ging die World Series verloren, im vergangenen Jahr war sogar schon im Viertelfinale Schluss. Also griffen die Besitzer der Dodgers noch einmal tief in die Portokasse, verstärkten ein eh kaum noch zu verstärkendes Team mit Mookie Betts, dem momentan wohl besten Outfielder der Welt, und statteten ihn mit einem 12-Jahres-Vertrag über 365 Millionen Dollar aus.

Analyse und Scouting

Da kann Tampa Bay nicht mithalten. Der Klub hat schon in normalen Jahren Probleme, sein Stadion in der gesichtslosen Küstenstadt Tampa, das gegen die in Florida herrschende Hitze mit einem Dach ausgestattet ist, zu füllen. Die sparsamen Rays setzen dagegen auf einen versierten Trainerstab, modernste Analysemethoden und vor allem aufs Scouting. So gelingt es ihnen immer wieder, Spieler zu finden, die andere übersehen oder falsch einschätzen. Spieler wie Randy Arozarena.

Der Kubaner war 19 Jahre alt, als er mit seiner Familie in einem kleinen Boot aus seiner Heimat flüchtete. Obwohl er in Kuba für die U-18-Nationalmannschaft spielte, musste er sein Geld erst einmal in der drittklassigen mexikanischen Liga verdienen. Das Trainingslager verbrachte der 25-Jährige mit einer Covidinfektion noch in Quarantäne, in der regulären Saison kam er nur sporadisch zum Einsatz, doch in den Play-offs startete er durch und wurde, jedenfalls nach Einschätzung seines Teamkollegen Kevin Kiermaier zum „besten Baseball-Spieler der Welt“.

Die Interviews nach Siegen gibt der ehemalige Bootsflüchtling immer noch in spanisch und mit einem Übersetzer an seiner Seite, aber so schnell wie Arozarena wurde kaum jemand zum Medienliebling. Das liegt an seiner Geschichte und an seinem exzentrischen Charakter: Nach der World-Series-Qualifikation führte er für die TV-Kameras ein Salsa-Tänzchen in seinen „Stiefeln der Macht“ auf, einem Paar schwarzer Cowboystiefel, die ihm Glück bringen sollen. Es liegt aber auch daran, dass den Tampa Bay Rays – vor allem im Vergleich zu den Dodgers – bislang die Stars fehlten.

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