Faustballerin über ihren Sport: „Ein unbeschreibliches Gefühl“

Luca von Loh spielt bei Meister TV Jahn Schneverdingen und im Nationalteam. Für ihren Sport wird sie oft belächelt, aber das ist ihr egal.

Wegweiser zum Johann-Hoffmann-Platz in Wien-Meidling, einem der Austragungsorte der Faustballweltmeisterschaft 2011.

Wenig Glamour: Wegweiser zu einem der Austragungsorte der Faustballweltmeisterschaft 2011 in Wien Foto: GuentherZ / Wikimedia Commons / (CC BY 3.0)

taz: Frau von Loh, wie schaffen Sie es, als Leistungssportlerin in einer Randsportart nicht zu verhungern?

Luca von Loh: Wir haben Sponsoren, aber es ist schwierig, welche zu finden. Nicht viele unterstützen den Sport Faustball. Aber nach der Saison kommen wir bei Null raus.

Ist das bei Männerteams anders?

Nein. Man verdient überhaupt kein Geld mit Faustball. Alle Leistungssportler*innen arbeiten ganz normal Vollzeit, studieren oder machen eine Ausbildung. Wir bauen unser Leben um den Faustball herum.

Geht das denn so einfach?

Das ist manchmal schwierig. Ich arbeite momentan als Kellnerin und da wird es nicht gerne gesehen, wenn ich sage, dass ich am Mittwoch und Freitag nicht arbeiten kann und auch am Wochenende öfters keine Zeit habe, weil wir einen Spieltag haben. Dann muss ich mich streiten, um frei zu bekommen.

Also ist Ihnen Faustball wichtig...

Ja, sehr. Ich baue meine Zukunft um den Faustball herum. Ich plane, nicht weit von Schneverdingen wegzuziehen für mein Biologiestudium. Mein Wunschort ist Hannover, damit ich weiter in meinem Verein trainieren kann.

Wie sind Sie überhaupt auf Faustball gekommen?

Durch eine Freundin, weil sie nicht alleine zum Training gehen wollte. Deshalb bin ich mitgekommen, aber ich wusste erst mal gar nicht, was Faustball ist.

19, spielt seit 13 Jahren Faustball beim TV Jahn Schneverdingen und ist dort Abwehrspielerin.

Wie würden Sie einem Laien den Sport erklären?

Ich sage dann immer, dass Faustball so ähnlich ist wie Volleyball. Nur das Feld ist größer und wir spielen auf dem Rasen. Auch ist der Ball aus Leder und schwerer als ein Volleyball. Er darf zwischendurch auf dem Boden aufkommen und wir spielen ihn mit einem Arm und der Faust, nicht mit der offenen Hand.

Warum spielen Sie auf Top-Niveau Faustball und nicht Volleyball?

Ich fühle mich im Team wohl. Man verbringt jahrelang Zeit mit den Leuten. Die anderen und mein Verein wurden eine Familie für mich. Ich habe Freunde in ganz Deutschland.

Trainieren Sie oft?

Zweimal die Woche für zwei Stunden. Eigentlich haben wir jeden Sonntag einen Punktspieltag in der Bundesliga. Dieses Jahr ist das anders, weil aufgrund von Corona unsere Saison kürzer ist. Wir hatten bisher nur zwei Punktspieltage und werden in drei Wochen nur noch die deutsche Meisterschaft spielen.

Belächelt Ihr Partner oder Freundeskreis den Sport?

Definitiv. Ich werde sehr oft dafür belächelt, dass ich so viel Zeit in diesen Sport investiere. Es heißt dann immer: „Wir kommen einmal zum Training und dann sind wir auch direkt in der Bundesliga.“

Wie weit ist denn der Schritt vom Verein bis hin zur Weltmeisterschaft?

Es fängt im U13 Jugendbereich an, dass die Nationaltrainer junge Spieler*innen aus den Vereinen sichten. Danach kann man an Bundeslehrgängen teilnehmen. Ich wurde zum Bundeslehrgang der U18, also der Nationalmannschaft, eingeladen. Wenn man den Sprung geschafft hat, kann es sein, dass man an der WM teilnimmt.

Wie sieht es bei Ihnen mit der Weltmeisterschaft in diesem Jahr aus?

Die fällt aus wegen Corona. Es steht auch noch nicht fest, wann und wo sie nun stattfinden wird und ob sie überhaupt stattfindet. Deshalb hatte der Bundeskader in diesem Jahr erst einen Lehrgang. Aber vor der U18-Weltmeisterschaft in den USA hatten wir vier Lehrgänge, die zwischen zwei und vier Tage lang waren. Von den 24 Teilnehmer*innen am Anfang wurden von Lehrgang zu Lehrgang mehr ausgesiebt, bis klar war, wer zur WM mitkommt.

Ist es eine Art doppelte Diskriminierung, dass Sie eine Frau sind und eine Randsportart spielen?

Das sehe ich nicht so. Klar ist es so, dass Frauensport leider nicht so viel geguckt wird wie Männersport. Und auch im Faustball wird dem Männersport mehr Beachtung geschenkt, aber das stört mich überhaupt nicht.

Warum?

Mir geht es um das unbeschreibliche Gefühl beim Spielen und nicht um die Aufmerksamkeit, die der Sport erhält. Es ist unbeschreiblich, wenn man im Finale bei der deutschen Meisterschaft steht und noch einen Ball bekommt und noch einen Punkt macht und nach vielen Kämpfen endlich das Spiel gewinnt.

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