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Faire KakaopreiseExistenzsicherndes Einkommen für Far­me­r*in­nen

Lidl verspricht seinen Ka­kao­pro­du­zen­t*in­nen vom Weltmarktpreis unabhängige Löhne. Das könnte auch vor Folgen des Klimawandels schützen.

Lidl zahlt jetzt mehr für den bittersüßen Kakao Foto: Joerg Boethling/imago

Die Supermarktkette Lidl hat angekündigt, seinen Kakaobauern und -bäuerinnen existenzsichernde Preise garantieren zu wollen. Dafür soll das Sortiment an Tafelschokolade der Eigenmarke auf ein von Fairtrade entwickeltes Programm umgestellt werden. Ab März wird es für mindestens fünf Jahre laufen. Für Kun­d*in­nen soll die Schokolade aber nicht teurer werden. Neben Deutschland sollen auch Filialen in Belgien und Niederlande mitmachen.

Der Vorstoß von Lidl „kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Evelyn Bahn. Sie ist Kakaoexpertin bei der entwicklungspolitischen Organisation Inktoa. Denn der Weltmarktpreis für Kakao befindet sich im freien Fall. Laut Deutscher Börse liegt er aktuell mit circa 3.200 US-Dollar pro Tonne bei etwa einem Drittel des Vorjahreswerts. Lidl ermögliche den Bäuerinnen und Bauern somit trotz sinkender Preise ein existenzsicherndes Einkommen, erklärt Bahn.

„Wenn Farmer keinen fairen Preis bekommen, wird es in Zukunft keine Schokolade mehr geben“, sagt Akissi Rosine Patricia Kpangba, die in Côte d'Ivoire eine Kooperative von Ka­kao­bäue­r*in­nen leitet. „Ein existenzsichernder Preis ist die Grundvoraussetzung, dass wir unsere Kinder zur Schule schicken und zum Arzt gehen können.“ Zudem würden die Landwirte in die Lage versetzt, in die Plantagen zu investieren und sich für den Klimawandel zu wappnen, erklärt Kpangba.

Folgen des Klimawandels abfedern

Auch Bahn ist der Meinung, dass Lidls Programm die Folgen des Klimawandels abfedern könne. Jahrelang seien Dumpingpreise bezahlt worden. „Diese Preise haben dafür gesorgt, dass die Bäuerinnen und Bauern über Jahrzehnte keine Möglichkeit hatten, für klimatische Veränderungen gewappnet zu sein“, erklärt sie. Somit seien die Ernteausfälle eine Folge davon, dass kein Geld da gewesen sei, in neue Kakaobäume und in die Plantagen zu investieren.

„Lidl geht einen wichtigen Schritt, seiner menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen“, betont Bahn. Denn Armut sei der Hauptgrund für Menschenrechtsverletzungen wie Kinderarbeit. Unternehmen müssten nun das umsetzen, was in ihrem Handlungsspielraum liege, um gegen diese vorzugehen. Für die Kakaoexpertin steht fest: „Lidl tut jetzt genau das!“

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