Facebook löscht Mutter-Kind-Fotos: Stillen ist bäh

Facebook findet stillende Mütter obszön und löscht Bilder von Brust und Baby. StudiVZ will solche Fälle erst prüfen.

Busenblitzer wie von Kelli Roman sind bei Facebook gar nicht gern gesehen. Bild: ap

Dekolletés bis zum Bauchnabel sind erlaubt. Durchsichtige Kleider auch. Nackte Männerbrüste sowieso. Über stillende Mütter allerdings kann Facebook nicht hinwegsehen. Weil die zuständigen Sittenwächter des Online-Netzwerks die Fütterung von Brust zu Mund als abstoßend empfinden, haben sie alle User-Bilder mit entsprechendem Inhalt gelöscht.

Das US-Unternehmen begründete die Aktion mit seinen Nutzungsbedingungen. In ihnen werden, unter anderem, "obszöne, pornografische und eindeutig sexuelle" Darstellungen als "unangemessene Inhalte" bezeichnet, die einfach gelöscht werden können. Dass der zärtliche Nahrungstransfer von Mutter zu Kind in diese Kategorie fällt, scheint schwer nachvollziehbar.

Für Facebook-Sprecher Barry Schnitt ist das jedoch völlig logisch. Schließlich wurden nur solche Stillfotos entfernt, auf denen eine Brustwarze oder der Warzenhof zu sehen sei. "Oder könnte ich etwa eine Anzeige, die mit dem Stillen zusammenhängt oder eine stillende Frau und ihre Brüste zeigt, auf Ihrer Webseite unterbringen?", fragte Schnitt das Magazin Time provokativ. Nein, vermutlich nicht. Denn während sich die Brüste junger Frauen bekanntlich gut verkaufen, ist mit dem Organ im Kontext der Mutterschaft wirtschaftlich wenig anzufangen. Sex sells, dessen Ergebnis aber nicht.

Kelli Roman ist eine der Frauen, die im Facebook-Büro Aufmerksamkeit erregte. Auf die Löschung ihrer Fotos reagierte die 23-jährige Amerikanerin mit der Gründung einer Gruppe im Internet. Bei "Hey, Facebook, Stillen ist nicht obszön" haben sich mittlerweile fast 150.000 Mitglieder eingetragen. Und die beginnen bereits, sich zu organisieren. An einer Protestaktion am 27. Dezember nahmen 11.000 Menschen teil. Sie tauschten das Bild ihres Facebook-Profils gegen das einer stillenden Mutter aus.

Bei StudiVZ war ein Aufstand bisher nicht nötig. Obwohl auch die deutsche Community strikte Richtlinien zum Umgang mit "Pornografie" hat. "Wenn nichts zu sehen ist, sind stillende Mütter kein Problem. Wäre etwas zu sehen, könnte das Bild geprüft werden", sagt Sprecher Dirk Henser. Schließlich gibt es auch hierzulande Menschen, die nur ungern an ihre erste Mahlzeit erinnert werden wollen. Auf StudiVZ treffen sie sich in der Gruppe "Öffentliches Stillen ist ekelerregend!" Allerdings nur zu zweit. Und das bleibt auch hoffentlich so.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben