Facebook erlaubt Gewaltvideos: Nur verurteilen, nicht liken

Das Online-Netzwerk Facebook hat die Regelungen für die Veröffentlichung von Gewaltvideos wieder gelockert. Das stößt auf Kritik bei Internetnutzern.

Aktivisten in Bangladesch protestieren gegen die Enthauptung von acht Arbeitern. Bei Facebook gibt es Bilder von echten Morden. Bild: reuters

BERLIN taz | Bilder und Videos brutaler Gewalttaten können auf Facebook wieder gepostet werden. Wie der britische Radiosender BBC am Montag berichtete, hatten sich mehrere Nutzer über ein Video beschwert, auf dem zu sehen ist, wie ein maskierter Mann in Mexiko eine Frau köpft. Das Video wurde jedoch nicht entfernt.

Im Mai 2013 hatte das Unternehmen derartige Inhalte noch verboten. Doch nun sehen die Verantwortlichen kein Problem mehr in Enthauptungsvideos, solange die darin gezeigten Gewalttaten in den Posts ausdrücklich verurteilt werden.

„Sollten die gezeigten Ereignisse verherrlicht werden, gehen wir da anders heran“, zitiert die Zeitung „The Guardian“ ein Statement des Online-Netzwerks. Facebook sei ein Forum, in dem Menschen ihre Erfahrungen austauschen könnten, auch über kontroverse Themen wie Menschenrechtsverletzungen, Terrorismus oder sonstige Gewalt.

Die Richtlinien von Facebook verbieten Posts, die Drohungen, Hetze oder Pornographie enthalten – letzteres, weil dadurch Anzeigenkunden entfremdet werden könnten, wie BBC ausführt. Zu Gewaltinhalten heißt es in den Richtlinien: „Uns ist bewusst, dass die Darstellung drastischer Gewalt häufig Bestandteil aktueller Ereignisse ist, doch wir müssen den Bedürfnissen einer vielfältigen Gemeinschaft entsprechen.“ Im nächsten Satz wird eingeschränkt, solche Inhalte seien verboten, wenn sie dem „sadistischen Vergnügen“ dienten.

Keine Warnhinweise

Stephen Balkam, Geschäftsführer des Family Online Safety Institutes (FOSI) in Washington D.C., ist über das Vorgehen empört. Er verstehe, das über Gewalt, wie sie beispielweise im Syrien-Krieg stattfinde, diskutiert werden müsse, sagte Balkam am Montag in einem BBC-Interview. Bei Gewaltvideos sollten jedoch zumindest ein oder zwei Warnhinweise eingeblendet werden. „Der Nutzer sollte einen aktiven Schritt machen müssen, bevor er solche Videos sehen kann.“

Facebook hatte angekündigt, nach Wegen zu suchen, Besuchern der Seiten mehr Kontrolle darüber zu geben, was sie sehen wollen. Zumindest bei dem Video von der Enthauptung in Mexiko gibt es jedoch keine Warninweise. „Das hätte Facebook klären müssen, bevor es solche Videos zulässt, kritisierte Balkam.

Erst kürzlich hatte Facebook für Kontroversen gesorgt, indem es den möglichen Empfängerkreis von 13 bis 17-Jährigen Nutzerrn auf das ganze Netzwerk ausweitete.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de