■ FU-Präsident wiedergewählt: Verlegenheitslösung
Der alte Präsident der Freien Universität ist auch der neue. Das Konzil bestätigte gestern Johann Wilhelm Gerlach, schon bei seiner ersten Wahl 1991 eine Verlegenheitslösung, für weitere vier Jahre im Amt. Euphorie kommt diesmal ebensowenig auf wie damals, als der linksliberale Juraprofessor das achtjährige konservative Interregnum beendete. Bereits damals signalisierte die leidenschaftslose Präsidentenkür, daß die FU nicht mehr im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stand. Dort sonnt sich seither die Humboldt-Universität. Mit der Vereinigung der beiden Stadthälften wurde die FU zu einer Vorort-Uni, näher an Potsdam als an der Berliner Innenstadt gelegen. Gerlach schlug vor, das Problem durch die vorübergehende Vereinigung beider Universitäten zu lösen. Die Finanzen ließen es nicht zu.
Andere Konzepte, wie die FU ihre Rolle neben der Hauptstadt- Uni definieren könnte, hatte und hat Gerlach nicht zu bieten. Statt dessen sprang er in den letzten Monaten auf den Wahlkampfzug der Verteilungskämpfe zwischen Ost und West auf. Repetitorien, die Mitarbeiter des Justizprüfungsamts an der HU abhielten, mußten als Medium der Profilierung herhalten. Daneben sollten Vorträge von Ex-Politikern wie Hans-Dietrich Genscher oder Jacques Delors das Image aufpolieren. Die großspurigen Ankündigungen, die Studienreform endlich voranzubringen, zeitigten außer der umstrittenen „Zwangsberatung“ kaum greifbare Ergebnisse. Das hatte immerhin den Vorteil, daß Gerlach 1995 seine Wahlversprechen von 1991 fast wörtlich wiederholen konnte. Ralph Bollmann
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