Export bricht ein: Japan bleibt auf Waren sitzen

Die japanischen Exporte brechen im Januar um fast die Hälfte ein. Betroffen sind alle Märkte und so ziemlich alle Branchen.

Wenig begehrte Ware: für Export bestimmte Nissan-Autos. Bild: dpa

Japan wird zum Land der untergehenden Sonne: Die Ausfuhren im Januar sackten auf ein Zehnjahrestief. Ihr Gesamtwert fiel um zwei Fünftel. Allein die Autoexporte brachen um zwei Drittel ein, die Chipexporte um mehr als die Hälfte. Gleichzeitig explodierte das Handelsdefizit auf den höchsten Stand seit dreißig Jahren, als die zweite Ölkrise die Weltwirtschaft lähmte.

Die globale Rezession trifft Japan damit von allen Exportnationen in Asien am stärksten: Der Rückgang der Ausfuhren betrug in Nippon im Januar fast 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während es in Südkorea 35 Prozent und in China 17,5 Prozent waren. Bereits im Dezember waren die japanischen Exporte um 35 Prozent geschrumpft.

Vor diesem Hintergrund könnte die japanische Industrieproduktion im Januar laut Umfragen unter Ökonomen um rund 10 Prozent zurückgegangen sein. Die Stimmung bei kleinen und mittleren Unternehmen, die 70 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigen, verharrte im Februar daher ebenfalls nahe einem Rekordtief. Sie liefern häufig Exportkonzernen zu und sehen sich nun zu Lohnkürzungen und Entlassungen gezwungen.

Die japanische Wirtschaft ist sehr abhängig von Exporten: Die herstellende Industrie verkauft nach Angaben der Notenbank mehr als ein Fünftel ihrer Waren ins Ausland, vor zehn Jahren war es nur ein Sechstel.

Hauptursache für den Einbruch war die schwache Nachfrage auf allen Märkten: In die USA führten japanische Hersteller 53 Prozent weniger Waren aus. Der Wert der Exporte sackte auf umgerechnet 4,6 Milliarden Euro, so wenig wie zuletzt 1983. Die Exporte in die Europäische Union sanken um rund 47 Prozent, die nach China um 45 Prozent.

Ein weiterer Grund für den extrem heftigen Rückgang ist die derzeitige Strategie vieler japanischer Unternehmen, zunächst ihre Lager im Ausland zu leeren und dafür Warenexporte zu verzögern. Beispielsweise sackte die Ausfuhr von Fahrzeugen im Januar um 66 Prozent ab. In Stückzahlen gerechnet bedeutete dies bei Toyota ein Minus von 56 Prozent, bei Honda von 46 Prozent und bei Nissan von 62 Prozent. Der Rückgang bei elektronischen Chips betrug 53 Prozent. Auch die traditionellen Neujahrsferien in Japan und das chinesische Neujahrsfest, das in diesem Jahr in den Januar fiel, sorgten für einen geringeren Handel.

Als Folge der kollabierenden Exporte verbuchte Japan den vierten Monat in Folge ein Defizit im Außenhandel. Das hat es bisher noch nicht gegeben. Mit umgerechnet 7,7 Milliarden Euro fiel es so hoch aus wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1979. Abgesehen von der Zeit der zweiten Ölkrise hatte die Wirtschaft seitdem fast immer einen Handelsüberschuss erwirtschaftet. Der Spitzenwert wurde im September 2007 mit knapp 13 Milliarden Euro erreicht. Die Importe im Januar schrumpften um 32 Prozent, vor allem wegen niedrigerer Rohstoffpreise und des starken Yen.

Immerhin gibt es bei der Währung einen Hoffnungsschimmer. Nach einer massiven Aufwertung um rund zwei Fünftel binnen sechs Monaten schwächelte der Yen im Februar deutlich: Gegenüber Dollar und Euro fiel er um bisher 7 Prozent. Angesichts des dramatischen Konjunktureinbruchs halten viele Marktteilnehmer den Yen nicht mehr für einen sicheren Hafen. Für die japanischen Unternehmen ist das gut: Exporte werden vereinfacht.

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