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Expo ohne Kernbotschaft

■ Statt „Mensch-Natur-Technik“ soll „Brücke ins Infozeitalter“ der Slogan sein

Berlin/Hannover (taz/dpa) – Umweltverbände hatten es schon länger geahnt, nun sagt es die deutsche Wirtschaft laut: Sie will zur Expo 2000 nicht mehr erinnert werden an „Mensch“ und „Natur“. Wilfried Prewo, Geschäftsführer der Expo-Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Wirtschaft, will den Werbeschwerpunkt auf die „Technik“ legen und fordert – wie er es nennt – eine „neue Werbestrategie“ für die in Hannover geplante Weltausstellung. Der weltweite Slogan soll nach den Wünschen der deutschen Manager (gewohnt originell) „Brücke ins Informationszeitalter“ heißen und nicht länger „Mensch-Natur-Technik“.

„Das ist die richtige Botschaft zur Vermarktung“, behauptete Prewo gestern in Hannover, der mit der Expo-Beteiligungsgesellschaft der Wirtschaft ein Fünftel der Anteile an der Expo-Gesellschaft repräsentiert. Expo-Gesellschaft und Niedersachsens SPD- Landesregierung reagierten zurückhaltend auf den Vorstoß.

Vor drei Wochen hatten Berichte für Aufsehen gesorgt, die deutsche Wirtschaft verlange eine völlige Abkehr vom Expo-Motto „Mensch-Natur-Technik“. Prewo erklärte jetzt pfiffig, die Wirtschaft habe mit diesem Leitthema keine Probleme. „Wir stehen voll zu diesem Motto.“ Nur werben wolle man halt damit nicht – fragt sich, wofür dann ein Motto noch gut wäre. Nun ist das Motto auch gar nicht mehr zu ändern, schließlich bekam Hannover damit ja erst den Zuschlag für das Ausrichten der Weltausstellung. Doch der Wirtschaft ist dieses Motto angeblich zu allgemein. Man brauche daher zusätzlich eine „weltumspannende Kernbotschaft“.

Traurig, daß auch die Expo-Gesellschaft selbst ihrem Motto nicht mehr vertraut. Bereits vor einem Jahr hat sie einen ähnlich aufregenden Werbeslogan kreiert, wie ein Expo-Sprecher nun erklärte: Dieser lautet „Zukunft wird aus Ideen gemacht“ und werde in einem Fernsehspot eingesetzt. Demnach dürfte der Expo keine große Zukunft bevorstehen. urb

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